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Zur mystischen Basis der „Neutralität“ der Technologie


Im Original von Wolfi Landstreicher, vom Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von?

..die Produktion von Robotern ist natürlich(oder vielmehr unnatü rlich) begleitet von der Entwicklung einer Umgebung, die ausschließlich für Roboter geeignet ist.-Encyclopé dia des Nuisances

Es gibt eine populäre Annahme unter Linkenund anderen Radikalen,die sich noch immer zum Konzept des Fortschrittsoder einfach nur zu marxistischen,theoretischen Konstrukten hingezogenfühlen, daß Technologie,als solche neutral sei. Die Annahme ist speziell amüsant weil die, die sie hervorbringen die Kritiker der Technologie beschuldigen, sie hätten eine mystische und ahistorische Konzeption. Was diese Verteidiger der Technologie behaupten ist, daß die Kritiker der Technologie”technologischen Determinismus” bewerben,indem sie Technologie zum zentral-bestimmenden Faktor in der sozialenEntwicklung machen, und daher den Blick für die sozialen Faktoren verlieren. Siefinden sich wieder im Verkünden darüber,daß die Probleme nicht in de ntechnologischen Systemen selbst liegen würden, sondern vielmehr in denen, die sie verwalten und in deren Wahl zur Nutzung.Zweifelsohne waren da die, die bestimmende Kräfte zur Technologie beigesteuert haben.Einer der größten Befürworter dieser Ansicht war Marx, dessen Wirtschaftstheorieeine entschieden technologische Wirtschaftstheorie war. Seiner Ansicht nach erschuf eine ökonomische Notwendigkeit diesen Kontext und genau daher ist Technologie nicht neutral. Wenn wirTechnologie als technische Systeme im großen Maßstab verstehen(so wie Industrialismus, Cybernetics, etc.) dann kennen wir kein technologisches System das nicht innerhalb des Kontexts derDetermination, Klassenherrschaft und Ausbeutung entwickelt wurde. Wenn Marx,in seiner kurzsichtigen, hegelianischen Vision, Kommunismus im industriellenSystem sehen konnte, dann war das nur mö glich weil seine Vision des Kommunismus die Negation individueller Freiheit war, das Absorbieren des Individuums in die“Seinsart” die manifestiert war in dem zwangsweisen kollektiven Produktionsprozeß der Fabrik. Genaugenommen wurde das industrielle System zu einem Zweck entwickelt – um die Profitmenge zumaximieren, die aus jedem Moment der  Arbeit zu bekommen war, durch das Erhöhen des Kontrollevels über jeden Arbeiter und seiner Bewegungen in seiner Arbeit. Jede neue technologische Entwicklung innerhalb des kapitalistischenSystems erhöhte einfach das Level der Kontrolle über die Prozesse, bis zu dem Punkt hin, wo diese heute meistens automatisiert sind. Nanotechnologie und Biotechnologie erschaffen die Basis um diese Kontrolle auf molekularer Ebene direkt inunsere Körper zu bringen. Sowie die Ideologien jeder Epoche der Ausdruck des herrschenden Systems jener Epoche sind, so reflektieren die Technologien jeder Epoche die herrschenden Systeme. Die Vorstellung, daß Technologien neutral sind bzw. daß wir uns die technologischen Systeme wiederaneignen und für unseren Nutzen verwenden können ist eine mystische Vorstellung und eine ahistorische Unschuldgegen über der Technologie. Wie Ideologie,diese Systeme der verdinglichten Ideen,durch die die herrschende Ordnung ihreHerrschaft verstärkt, ist Technologie ein Produkt dieser herrschenden Ordnung,erschaffen um ihre Herrschaft zu verstärken.Die Zerstörung der herrschenden Ordnung wird die Zerstörung ihrer Technologie beinhalten, des Systems der Techniken das echnologische Entwicklungen(wie die frühe industrielle Fabrik), die dann die Basis für eine unvermeidliche Verdrängung des dominanten ökonomischen Systemsschufen. Daher vereinigt Marxs ökonomischer Determinismus auch eine Art technologischen Determinismus. Marxs Fehler liegt genau in seinem Determinismus (eine unvermeidbare Konsequenz des Faktums daß seine Kritik an Hegel damitlimitiert war, Hegel,einen historischen Deterministen, aufden Kopf zu stellen, anstatt seine fundamentalen Konstrukte zu verwerfen. Ein wahrhaft historischer, in Opposition zueinem mystischen Ansatz zum sozialenKampf und allen seinen involvierten Faktoren muß jede Form des Determinismus verwerfen, weil er von der Idee der Geschichte als menschliche Aktivität beginnt, anstatt als Ausdruck eines allumfassenden metaphysischen Wertes oder Konzeption. Daher muß jedes Produkt der Geschichte als Produkt dessen Kontexts betrachtet werden, hinsichtlich der konkreten sozialen Beziehungen, in denen e ssich entwickelte. Aus dieser Perspektive,kann es keine solche Sache wie “neutrale”Technologie geben. Technologie entwickelt sich immer innerhalb eines sozialen Kontext mit dem expliziten Ziel diesen Kontext zu reproduzieren.
Zu diesem Zeitpunkt sind dietechnologischen Systeme, die durch dieherrschende Ordnung entwickelt wurden soaufdringlich und so schädlich, daß es absurdist auch nur vorzugeben, diese könnten für den geringsten befreienden Zweck verwendet werden. Wenn Marx, Hegel folgend, wollte, daß Geschichte ein abschließendes,vorherbestimmtes Ende habe, so wissen wir heute daß solch eine Sichtweise viel zu christlich ist um jemals wirklich revolutionär zu sein. Revolution ist eine Wette und diese Wette ist genau, daß das Unbekannte, das die Möglichkeit des Endes der Herrschaft und Ausbeutung bietet, es Wert ist, riskiert zu werden und daß dies zu riskieren die Zerstörung der Totalität dieser Zivilisation der Herrschaft und Ausbeutung beinhaltet,einschließlich der technologischen Systeme,das war alles was wir jemals wußten. Leben ist anderswo. Haben wir den Mut und denWillen es zu finden?

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Wie kriegt man das, was man will?


Im Original von CrimethInc., aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von Arsen 13
Was willst du wirklich am meisten auf der Welt? Mehr Geld, eine neue Stereoanlage, einen Urlaub? 20,- Mark Stundenlohn in den Wind schießen, um rechtzeitig von deinem Job nach Hause zu kommen, damit du deine Lieblingsserie nicht verpasst? Oder ist es vielleicht etwas, das mehr als all das ist? Etwas, das viel schwieriger zu beschreiben ist? Vielleicht hast du es aufgegeben immer der Verwirklichungen deiner richtigen Träume nachzugehen und dich eher darauf gestürzt deinem Leben kleinere Dinge abzugewinnen, die dir einfacher und realistischer zu erreichen schienen. Vielleicht hast du dich aber auch einfach nie gefragt, ob die Ziele, die du anstrebst eigentlich wirklich diejenigen sind, die du in deinem Leben erreichen willst. Vielleicht fühlst du dich aber auch einfach nur, wie so viele andere Menschen, dazu gezwungen, diesen Dingen hinterherzujagen, so als würde dein Leben gar nicht wirklich dir gehören, sondern einem für dich vorgefertigten Plan folgen. Wie oft denkst und fühlst du so? Erinnere dich an den wichtigsten Tag in deinem Leben, den Tag an dem du dich zum ersten Mal verliebt hast oder an dem du das erste Mal dein Lieblingslied gehört hast oder ein Abenteuer erlebt hast… als sich tausend neue Türen für dich öffneten und die Welt so viel größer erschien als je zuvor. In diesem Moment war plötzlich nichts für dich unmöglich. Warum kann sich nicht jeder Tag so anfühlen?

Nun… Zum einen liegt das daran, daß wir in einer Gesellschaft leben, die es uns schwer macht unsere innersten Wünsche deutlich zu erkennen und sie zu verfolgen. Was auch immer uns das Geschwätz von “Freiheit und der Suche nach unserer Freude” vermitteln will… unsere Gesellschaft ist bis zur Absurdität hin voll verwirrender Unterhaltung und Einschränkungen. Wir sind alle so sehr damit beschäftigt damit fertig zu werden, daß wir uns gar nicht richtig an unsere Träume erinnern können, geschweige denn sie uns erfüllen. Und jedEr von uns fühlt sich zu erschöpft, um zu verstehen, daß die Welt in der wir leben eigentlich nur das Produkt unserer eigenen Arbeit, eigener Handlungen und eigenen Tuns ist. Unsere Spezies hat diesen Planeten komplett zu dem gestaltet, was er heute ist. Ist die, die wir geschaffen haben die bestmögliche aller Welten? Wenn dem nicht so ist, warum beenden wir dann nicht diese Art der Gestaltung und führen neue Arten ein, zusammen zu leben und zu arbeiten, so daß wir eine neue, eine bessere Welt erbauen können, die lustvoller für alle von uns sein kann! Auf was anderes sollten wir hinarbeiten als auf Lust und Freude?

Hast du dich jemals verliebt und es hat sich so gut angefühlt, daß es geradezu gefährlich schien? Verliebt zu sein bedeutet tatsächlich in einer anderen Welt leben zu wollen: einer aufregenderen Welt, einer schöneren Welt, einer freudigeren, sorgloseren Welt. Einer Welt in der alles eine Bedeutung hat und niemals etwas stumpf und langweilig ist. Warum sollten wir nicht damit anfangen, diese Welt genau hier und jetzt zu erschaffen? Wir haben eine ungeheuerliche Utopie: Alles, was du in deinem Leben machst, solltest du machen, weil du es machen willst. Und wenn du Pläne schmiedest, dann solltest du sie auf das aufregendste und freudigste Leben ausrichten, das du dir vorstellen kannst und nicht nach “Erfolg” oder “Sicherheit”, den Trostpreis für die Müdegewordenen und Hoffnungslosen. Was könnte radikaler sein als dein Handeln nach dem auszurichten, wie genußvoll es ist, als danach wie moralisch, wie verantwortungsvoll oder wie gesellschaftlich geduldet es scheint? Haben wir nicht versucht jedem Herrn und jeder Herrin zu dienen außer unseren eigenen Wünschen? Haben wir nicht für jeden noch so bescheuerten Grund gekämpft außer für uns selbst? Wohin hat uns all das gebracht? Den eigenen Wünschen nachzujagen bedeutet nicht, blind den eigenen Impulsen zu folgen, wohin auch immer sie einEn bringen. Es bedeutet zuallererst, dir darüber klar zu werden, das herauszufinden, was du wirklich willst: Deine Wünsche durchzugehen und zu entscheiden, welche wirkliche sind und welche Illusionen, welche stärker und welche schwächer sind und welche dir am Ende die größtmögliche Erfüllung bringen. Es bedeutet, dich und dein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, so daß du so vielen Träumen wie möglich nachgehen kannst (weil es keine Garantie dafür gibt, daß man alle gleichzeitig erfüllen kann). Es bedeutet deinen Wünschen Prioritäten zu geben und sie zu analysieren.

Ist dir die Nägel zu lackieren bereits die Erfüllung deiner Wünsche oder könnte dieser Drang nicht auch ein Teil deiner Unsicherheit sein? Vielleicht liebst du die Natur. Wäre es dann genug für dich, dir ein paar Acker Land zu kaufen und dort dein Leben zu verbringen, während der Rest der Welt allmählich von Beton eingeschlossen wird? Deinen Wünschen nachzugehen bedeutet auch die Gesellschaft umzugestalten. JedEr von uns ist das Produkt der Welt in der wir leben. Und dennoch ist diese Welt auch das Produkt unserer Arbeit und unseres Schaffens. Um dich selbst und dein Leben zu verändern, mußt du auch die Welt umgestalten, die uns hervorbringt und formt. Und deshalb wirst du dazu auch die Hilfe jedes Menschen benötigen. Wenn wir unserem Glück nachjagen wollen, dann müssen wir für diese Welt, die wir schaffen, Verantwortung übernehmen und zusammen sicherstellen, daß diese Welt eine Welt wird, die für uns alle Lust bedeutet. Aber bedeutet nicht das zu tun, was ich tatsächlich will, daß ich gegen andere Menschen kämpfen muß? Nein – Viel eher muß es uns dazu zwingen, zusammen zu arbeiten, weil die größten und schwierigsten Anstrengungen nicht alleine vollbracht werden können.

Sie verlangen die Teilnahme anderer Menschen, auch ganzer Gesellschaften. Die meisten von uns wollen Gemeinschaft und Freundschaft mehr als alles andere im Leben, um sich sicher und zusammen frei fühlen zu können. Wir brauchen uns gegenseitig, um all das zu erreichen. Um eine Gemeinschaft aufzubauen, in der jedEr das eigene Leben in den vollsten Zügen genießen kann, müssen wir alle es uns ermöglichen unseren Träumen nachgehen zu können und frei und kreativ zu sein. Ansonsten verarschen wir uns nur selbst. Das ist das Geheimnis, das die langweilige “Ich-Generation” ausklammert: Nach einem gewissen Punkt setzt immer Habgier und Hochmut ein. Und sicher, es wird schwierig dem aus dem Wege zu gehen. Gerade am Anfang. Nichts ist schwieriger als sich immer daran zu halten aufrichtig gegenüber sich selbst zu sein und dir und jedem Tag deines Lebens das meistmögliche abzuverlangen. Es wird uns gegen die herrschende Ordnung richten. Aber welcher Kampf, wenn nicht dieser, ist es tatsächlich wert zu kämpfen? Es ist ein Kampf des großen Potentials, das wir in uns haben und des noch größeren Potentials, das wir alle zusammen haben könnten gegen alles in der Welt, das sinnlos, nebensächlich und stumpf ist… Die Alternative dazu ist natürlich sich mit dem zufrieden zu geben, was wir heute haben und niemals in Frage zu stellen, daß es irgendetwas anderes im Leben geben kann.

 

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Es gibt einen Unterschied zwischen Leben und Überleben!


Im Original von Crimethinc. (Amerikanisch), ins Deutsche übersetzt von Arsen 13

Diese Welt, die sogenannte “wirkliche Welt” ist nur eine Fassade. Zieh den Vorhang zur Seite und du wirst merken, daß die Bibliotheken voller AusreißerInnen sind, die Romane schreiben, daß sich auf den Autobahnen lauter Flüchtende und SympathisantInnen tummeln, daß all die SekretärInnen und vernünftigen Eltern an ihren Ketten zerren und nach einer Chance suchen, um zu zeigen, wie lebendig sie noch sind… Und all das Geschwätz über “Sachlichkeit” und “Verantwortung” ist nur eine Drohung und ein Bluff, damit wir nicht wagen unsere Hände nach der anderen Welt auszustrecken, die so nah vor uns liegt.

Es gibt einen Unterschied zwischen Leben und Überleben.

Was auch immer die Medizin uns vermitteln will… Es gibt einen Unterschied zwischen dem Leben und dem Überleben. Man braucht mehr als einen Herzschlag und ein funktionsfähiges Gehirn um am Leben zu sein. Lebendig zu sein, am Leben zu sein, ist etwas viel tiefgreifenderes und herrlicheres als biochemische Reaktionen. Die medizinischen Apparate messen unseren Blutdruck und unsere Körpertemperatur, aber sie übersehen unsere Lüste, Leidenschaften und unsere Liebe. All die Dinge die unserem Leben Bedeutung einhauchen. Um diesem unserem Leben wieder einen Sinn zu geben, um ihm das größtmögliche abzuverlangen, müssen wir das Leben ganz neu bestimmen.Wir müssen uns befreien von seinen bloßen klinischen Definitionen und uns solchen Begriffsbestimmungen zuwenden, die mehr mit dem zu tun haben, was wir tatsächlich fühlen.

Wo wir gerade dabei sind: Wieviel Lebendiges spüren wir eigentlich in unserem Leben? Wie oft wachst du morgens auf und fühlst dich wirklich befreit? Fühlst die Aufregung, am Leben zu sein und kannst es kaum erwarten die Erfahrungen eines neuen Tages zu machen? Wie oft schläfst du nachts selbstverwirklicht und befriedigt ein, wenn du an die Ereignisse des vergangenen Tages denkst? Viele von uns glauben, daß bereits alles schon ohne uns entschieden worden ist, so als ob das Leben nicht ein kreativer Akt ist, sondern etwas, daß mit uns passiert. Genau das bedeutet eben nicht am Leben zu sein. Das bedeutet bloßes Überleben. Das bedeutet ein Zombie zu sein. Und so haben wir uns unsere eigenen Leichenhäuser geschaffen, in den Büroräumen, den Videospielen, den Einkaufshäusern, den Fabriken und vor der Glotze. Natürlich fürchten Hausfrauen und kleinbürgerliche Angestellte das Risiko und die Veränderung wie den Tod. Sie können sich nicht vorstellen, daß es etwas anderes gibt, das Bedeutung haben kann, als ihre materielle Sicherheit. Ihre Herzen mögen noch schlagen, aber sie glauben nicht mehr länger an ihre Träume, geschweige denn daran ihnen nachzujagen. Sie haben ihren eigenen Sarg geschaffen. Sie nennen ihn Büro- oder Fernsehsessel.

Aber in einigen von uns brennt noch ein Lebensfeuer. Sie fangen an ihren Träumen nachzugehen und ihre alten Alltagsmuster zu durchbrechen. Sie kümmern sich um das, was sie lieben (und darum, in diesem Prozeß das zu entdecken, was sie hassen). Sie beginnen zu träumen, die Dinge um sie herum in Frage zu stellen und außerhalb der Grenzen von Routine und Vorschriften zu handeln. Andere sehen ihnen dabei zu, sehen Leute, die es wagen, kreativer, abenteuerlicher, freizügiger und fordernder zu leben, als sie es jemals für möglich gehalten haben und werden sich ihnen nach und nach anschließen. Das wird der Anfang der Umwälzung sein. Wenn einmal genug Menschen diese Art zu leben in sich aufgenommen haben, dann ist eine kritische Masse entstanden und die Gesellschaft wird sich von selbst ändern. Von diesem Moment an wird sich die Welt umwandeln: Von dem angsteinflößenden und entfremdeten Ort wie sie jetzt ist zu einem Ort voller Möglichkeiten, an dem wir unser Leben in den eigenen Händen nehmen und unsere Träume Wirklichkeit werden lassen.

Also mach das, was du tatsächlich mit deinem Leben machen willst, was auch immer es ist! Aber um sicher zu sein, daß du auch das bekommst, was du willst, denke zuerst genau darüber nach, was es wirklich ist und wie du es bekommen willst. Analysiere die Welt um dich herum und du wirst herausfinden welche Menschen und Kräfte gegen deine Wünsche arbeiten und welche auf deiner Seite stehen… Und wie du mit uns zusammenarbeiten kannst. Wir sind hier draußen, erleben das Leben in vollen Zügen und warten auf dich… Wir fahren schwarz in Güterzügen durch Amerika. Wir organisieren den Widerstand in den französischen Schulen. Wir schreiben wundervolle Briefe bei Sonnenaufgang in Bangkok. Wir tanzen zur Musik der klirrenden Scheiben multinationaler Konzerne. Wir lieben uns auf der Toilette deiner Firma und haben uns gerade davon geschlichen, als du zu deiner Mittagspause wieder zurück kommst.

Das Leben wartet mit uns auf dich. Auf den Gipfeln von unbestiegenen Bergen, im Rauch von Lagerfeuern und brennenden Gebäuden, in den Armen von Geliebten, die unsere Welt komplett umkehren. Komm schon! Schließ dich uns an!

Tod oder Leben? Du hast die Wahl!

 

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Entfremdung – Die Karte der Verzweiflung


Im Original von CrimethInc., ins Deutsche übersetzt von Arsen 13.

In der modernen Welt wird automatisch Kontrolle über uns ausgeübt durch die Räume in denen wir leben und in denen wir uns bewegen. Wir durchwandern bestimmte Rituale in unserem Leben: Arbeit, “Freizeit”, Konsum, Unterwerfung. Denn die Welt in der wir leben ist allein dafür konzipiert worden. Wir alle wissen, daß Einkaufszentren zum Shoppen da sind, Büros um darin zu arbeiten, Wohnzimmer, um darin Fernsehen zu glotzen und Schulen, um unsern LehrerInnen zu gehorchen. Alle Räume in denen wir uns bewegen haben vorher festgelegte Bedeutungen. Und alles was man braucht, um uns in diesen Räumen vorwärts zu treiben, ist, daß wir auf den üblichen Wegen gehalten werden. Es ist schwer irgendeine andere Tätigkeit im Walmart ausfindig zu machen als Waren zu betrachten und einzukaufen. Und weil wir es so gewohnt sind ist es für uns auch schwierig uns vorzustellen, dort etwas anderes zu tun. Ganz zu schweigen davon, daß alles andere als Einkaufen dort illegal ist, wenn wir genauer darüber nachdenken.

Es gibt immer weniger freie und unentwickelte Räume auf der Welt, in denen wir unserem Körper und unseren Gedanken freien Lauf lassen können. Fast jeder Raum, den man betritt, gehört einer Person oder einer Gruppe und ist bereits mit einer bestehenden Bedeutung und einer festgelegten Benutzung belegt: Privatgrundstücke, Einkaufspassagen, Stadtautobahnen, Klassenzimmer, Naturschutzgebiete,… Und unsere festgelegten Bahnen durch die Welt bringen uns nur selten in die Nähe der wenigen freien Räume, die noch übrig sind.

Diese Räume, in denen die Gedanken und die Lüste vollkommen frei sein können, werden durch kontrollierte Räume wie Disneyland ersetzt. Orte, an denen uns unsere Wünsche vorgefertigt werden und an uns zurückverkauft werden zu Lasten unseres Geldbeutels und unserer Gefühle. Der Welt unseren eigenen Sinn zu geben und unsere eigenen Arten zu schaffen in ihr zu handeln und zu spielen sind fundamentale Teile des menschlichen Daseins. Heute darf es uns nicht wundern, daß sich so viele von uns verzweifelt und unerfüllt fühlen, wenn wir nie die Möglichkeit haben, uns in solchen Räumen zu bewegen, die genau das von uns fordern. Gerade weil die Welt nur noch so wenige dieser Orte zu bieten hat und der Ablauf unseres Alltags uns nie dorthin bringt, ist es nicht verwunderlich, daß wir gezwungen sind auf solche Orte wie Disneyland zurückzugreifen, um überhaupt den Anschein von Spiel und Abenteuer zu bekommen. So sind die wahren Abenteuer, nach denen sich unser Herz sehnt durch imitierte Abenteuer ersetzt und die Spannung des Erschaffens durch die Spannung des Betrachtens.

Unsere Zeit ist genau wie unser Raum vollkommen besetzt und reguliert. Die Unterteilung unseres Raums ist tatsächlich nur ein Ausdruck davon, was bereits mit unserer Zeit geschehen ist. Die gesamte Welt verläuft und lebt nach einer standardisierten Zeitrechnung, erdacht, um unsere Bewegungen auf dem gesamten Planeten genau aufeinander abzustimmen. Innerhalb dieses größeren Systems wird unser aller Leben reglementiert: Durch unseren Arbeitsablauf und unseren Stundenplan, durch die Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel und die Öffnungszeiten der Geschäfte. Diese Durchplanung unseres Lebens, die bereits in der Kindheit beginnt, übt eine subtile aber gewaltige Kontrolle über uns alle aus. Dabei vergessen wir immer mehr, daß eigentlich die Zeit in unserem Leben alleine uns gehört und wir entscheiden können, wie wir sie verbringen wollen. Stattdessen denken wir in Einheiten von Arbeitstagen, Mittagspausen und Wochenenden. Ein tatsächlich spontanes Leben ist für die meisten von uns undenkbar. Und die sogenannte “Freizeit” ist gewöhnlich nur Zeit, die durch etwas anderes als Arbeiten verplant ist. Wie oft kommst du dazu dir den Sonnenaufgang anzusehen? Für wieviele Nachmittagsspaziergänge an einem warmen Frühlingstag hast du tatsächlich Zeit? Wenn du die Möglichkeit hättest diese Woche eine noch nie erlebte Reise zu machen, könntest du sie dann tatsächlich unternehmen?

Diese einschränkenden Räume und Zeitplanungen beschränken das große Potential unseres Lebens drastisch. Sie isolieren uns auch voneinander. An unserem Arbeitsplatz verbringen wir die meiste Zeit mit einer bestimmten Arbeit mit einer bestimmten Gruppe von Menschen in einem bestimmten Raum (oder zumindest in einer bestimmten Umgebung). Solche beschränkenden, sich ständig wiederholende Erfahrungen bieten uns nur eine sehr eingeschränkte Sichtweise auf die Welt und halten uns davon ab andere Menschen mit einem völlig anderen Background kennenzulernen. Unser Zuhause isoliert uns noch weiter voneinander. Heutzutage sperren wir uns in unseren eigenen vier Wänden gegenseitig aus, zum Teil aus Angst vor denen, die der Kapitalismus beschißener als uns behandelt hat, zum Teil weil wir der Paranoia-Propaganda derjenigen Konzerne auf den Leim gegangen sind, die Sicherheitssysteme verkaufen. Die heutigen Vororte sind Friedhöfe einer Gemeinschaft, die die Menschen getrennt in Kisten packt … wie die Supermarktprodukte, luftdicht verschlossen, um “frisch” zu bleiben. Aufgrund der dicken Mauern zwischen uns und unseren Nachbarn und weil unsere Familien und FreundInnen auf viele verschiedene Städte und Länder verstreut sind, ist es schwer überhaupt irgendeine Gemeinschaft aufzubauen, geschweige denn in einer Gemeinschaft zu leben, in denen die Menschen untereinander von der Kreativität jedes Einzelnen profitieren können. Sowohl unser Zuhause als auch unsere Arbeit kettet uns an einen bestimmten Ort, an eine bestimmte Stelle und hält uns davon ab anders durch die weite Welt zu reisen außer auf hastigen Urlaubstrips.

Auch unsere Reisen sind eingeschränkt und einschränkend. Unsere modernen Transportmöglichkeiten – Autos, Busse, U-Bahnen, Züge, Flugzeuge – halten uns alle auf einer vorgegebenen Bahn und wir sehen die Außenwelt durch eine Scheibe an uns vorbeirauschen, als wäre sie eine ziemlich langweilige Fernsehshow. JedEr von uns lebt in einer persönlichen Welt, die sich zum Großteil aus gutbekannten Zielen zusammensetzt (Arbeitsplatz, Supermarkt, Wohnung, Tanzlokal, usw.) mit ein paar Verbindungen dazwischen (Im Auto sitzen, in der U-Bahn stehen, die Rolltreppe hinaufgehen, usw.) und einer klitzekleinen Chance eine völlig neue Erfahrung zu machen oder neue Orte zu entdecken. Man könnte die Schnellstraßen aller EU-Staaten durchfahren ohne dabei etwas anderes zu sehen als Asphalt und Rastplätze, so lange man im Auto bleibt. Weil wir auf unseren festgelegten Bahnen gefangen sind können wir uns ein tatsächlich freies Reisen nicht vorstellen, Expeditionen, die uns immer wieder in direkten Kontakt mit völlig neuen Leuten und Dingen bringen.

Stattdessen stecken wir in Verkehrsstaus fest, umgeben von hunderten von anderen Menschen, die in derselben mißlichen Lage wie wir selbst stecken, aber von denen wir durch unsere Blechkarossen getrennt werden. Dadurch erscheinen sie uns eher als Objekte auf unserem Weg anstatt als Mitmenschen. Wir denken wir erreichen mehr Dinge und Orte der Welt durch unsere modernen Transportmittel, aber tatsächlich sehen wir, wenn überhaupt, viel weniger von all den Dingen und Orten. Während unsere Transportmöglichkeiten steigen, wuchern unsere Städte immer weiter in die Landschaft hinein. Je mehr sich die Transportstrecken vergrößern, desto mehr Autos werden benötigt. Mehr Autos beanspruchen mehr Raum und deshalb wächst die Distanz immer weiter an. Bei diesem Tempo werden Autobahnen und Tankstellen eines Tages all das ersetzen, das uns am Anfang eine Reise wert war.

Einige von uns blicken auf das Internet als die “letzte Grenze”, als einen freien, noch nicht völlig entwickelten Raum, der viel Entdeckungen zu bieten hat. Der Cyberspace mag vielleicht denjenigen, die es sich leisten können, einen gewissen Grad an Freiheit bieten, aber was auch immer er uns bietet, er bietet es uns nur an, wenn wir unseren Körper an der Tür ablegen: Durch freiwillige Amputation. Vergiß nicht, daß du sowohl aus einem Körper als auch aus einem Geist bestehst. Ist das tatsächlich Freiheit, für Stunden gebannt auf blinkende Lichter zu starren ohne unsere Tast- und Geschmackssinne zu benutzen? Hast du das Gefühl vergessen, wie es ist, nasses Gras oder warmen Sand an den bloßen Füßen zu spüren? Oder den Geruch von Eukalyptusbäumen oder Feuerholz in der Nase zu haben? Kannst du dich an den Duft von Tomaten erinnern? Den Glanz von Kerzenschein, die Erregung beim Laufen, Schwimmen und Berühren?

Heute klinken wir uns ins Internet ein, wenn wir etwas aufregendes erleben wollen ohne dabei das Gefühl zu bekommen, verarscht zu werden, denn das moderne Leben unterliegt solchen Zwängen und ist so vorhersehbar, daß wir einfach vergessen haben, wie lustvoll Aktionen und Bewegungen in der wirklichen Welt sein können. Warum sollen wir uns mit der beschränkten Freiheit zufrieden geben, die uns das Internet bieten kann, wenn es so viel mehr Erfahrungen und Gefühle hier draußen in der realen Welt zu erleben gibt? Wir sollten laufen, tanzen, Kanu fahren, das Leben in vollen Zügen genießen und neue Welten entdecken. Was für neue Welten? Wir müssen unseren eigenen Körper wiederentdecken, unsere Sinne und den Raum um uns herum. Dann können wir diesen Raum in eine neue Welt umformen, in die wir unsere eigenen Bedeutungen einschreiben können.

Bis dahin müssen wir neue Spiele einführen. Spiele die in den besetzten Räumen dieser Welt stattfinden können, in den Einkauszentren, Restaurants und Klassenzimmern und ihre vorgegebenen Bedeutungen zu Fall bringen, so daß wir diesen Räumen in Einklang mit unseren Träumen und Wünschen neue Bedeutungen verleihen können. Wir brauchen Spiele, die uns näher zusammenbringen, raus aus der Gefangenschaft und Isolation unserer Eigenheime und hinein in öffentliche Räume, in denen jedEr von der Hilfe und der Kreativität des Anderen profitieren kann. Wir werden Gedichte in Fabriken vortragen, Konzerte auf der Straße geben, Sex in Feldern und Bibliotheken haben, kostenlose Picknicks in Supermärkten und Flohmärkte auf Autobahnen.
Wir müssen natürlich auch neue Auffassungen von Zeit einführen und neue Arten zu reisen. Versuch mal ohne Uhr zu leben, ohne daß du dein Leben der hektischen Welt angleichst. Versuch mal eine lange Reise zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu machen, so daß du alles von deinem Startpunkt bis zu deinem vorläufigen Ziel erleben kannst ohne durch eine Scheibe darauf zu blicken. Mach dich auf Entdeckung in deiner Nachbarschaft, besteige Häuserdächer, schau um die hintersten Ecken deiner Umgebung, die du noch nie bemerkt hast. Du wirst begeistert sein wieviel Abenteuer da draußen auf dich warten!

 

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