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Archiv der Kategorie: Post-Linker

Zur mystischen Basis der „Neutralität“ der Technologie


Im Original von Wolfi Landstreicher, vom Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von?

..die Produktion von Robotern ist natürlich(oder vielmehr unnatü rlich) begleitet von der Entwicklung einer Umgebung, die ausschließlich für Roboter geeignet ist.-Encyclopé dia des Nuisances

Es gibt eine populäre Annahme unter Linkenund anderen Radikalen,die sich noch immer zum Konzept des Fortschrittsoder einfach nur zu marxistischen,theoretischen Konstrukten hingezogenfühlen, daß Technologie,als solche neutral sei. Die Annahme ist speziell amüsant weil die, die sie hervorbringen die Kritiker der Technologie beschuldigen, sie hätten eine mystische und ahistorische Konzeption. Was diese Verteidiger der Technologie behaupten ist, daß die Kritiker der Technologie”technologischen Determinismus” bewerben,indem sie Technologie zum zentral-bestimmenden Faktor in der sozialenEntwicklung machen, und daher den Blick für die sozialen Faktoren verlieren. Siefinden sich wieder im Verkünden darüber,daß die Probleme nicht in de ntechnologischen Systemen selbst liegen würden, sondern vielmehr in denen, die sie verwalten und in deren Wahl zur Nutzung.Zweifelsohne waren da die, die bestimmende Kräfte zur Technologie beigesteuert haben.Einer der größten Befürworter dieser Ansicht war Marx, dessen Wirtschaftstheorieeine entschieden technologische Wirtschaftstheorie war. Seiner Ansicht nach erschuf eine ökonomische Notwendigkeit diesen Kontext und genau daher ist Technologie nicht neutral. Wenn wirTechnologie als technische Systeme im großen Maßstab verstehen(so wie Industrialismus, Cybernetics, etc.) dann kennen wir kein technologisches System das nicht innerhalb des Kontexts derDetermination, Klassenherrschaft und Ausbeutung entwickelt wurde. Wenn Marx,in seiner kurzsichtigen, hegelianischen Vision, Kommunismus im industriellenSystem sehen konnte, dann war das nur mö glich weil seine Vision des Kommunismus die Negation individueller Freiheit war, das Absorbieren des Individuums in die“Seinsart” die manifestiert war in dem zwangsweisen kollektiven Produktionsprozeß der Fabrik. Genaugenommen wurde das industrielle System zu einem Zweck entwickelt – um die Profitmenge zumaximieren, die aus jedem Moment der  Arbeit zu bekommen war, durch das Erhöhen des Kontrollevels über jeden Arbeiter und seiner Bewegungen in seiner Arbeit. Jede neue technologische Entwicklung innerhalb des kapitalistischenSystems erhöhte einfach das Level der Kontrolle über die Prozesse, bis zu dem Punkt hin, wo diese heute meistens automatisiert sind. Nanotechnologie und Biotechnologie erschaffen die Basis um diese Kontrolle auf molekularer Ebene direkt inunsere Körper zu bringen. Sowie die Ideologien jeder Epoche der Ausdruck des herrschenden Systems jener Epoche sind, so reflektieren die Technologien jeder Epoche die herrschenden Systeme. Die Vorstellung, daß Technologien neutral sind bzw. daß wir uns die technologischen Systeme wiederaneignen und für unseren Nutzen verwenden können ist eine mystische Vorstellung und eine ahistorische Unschuldgegen über der Technologie. Wie Ideologie,diese Systeme der verdinglichten Ideen,durch die die herrschende Ordnung ihreHerrschaft verstärkt, ist Technologie ein Produkt dieser herrschenden Ordnung,erschaffen um ihre Herrschaft zu verstärken.Die Zerstörung der herrschenden Ordnung wird die Zerstörung ihrer Technologie beinhalten, des Systems der Techniken das echnologische Entwicklungen(wie die frühe industrielle Fabrik), die dann die Basis für eine unvermeidliche Verdrängung des dominanten ökonomischen Systemsschufen. Daher vereinigt Marxs ökonomischer Determinismus auch eine Art technologischen Determinismus. Marxs Fehler liegt genau in seinem Determinismus (eine unvermeidbare Konsequenz des Faktums daß seine Kritik an Hegel damitlimitiert war, Hegel,einen historischen Deterministen, aufden Kopf zu stellen, anstatt seine fundamentalen Konstrukte zu verwerfen. Ein wahrhaft historischer, in Opposition zueinem mystischen Ansatz zum sozialenKampf und allen seinen involvierten Faktoren muß jede Form des Determinismus verwerfen, weil er von der Idee der Geschichte als menschliche Aktivität beginnt, anstatt als Ausdruck eines allumfassenden metaphysischen Wertes oder Konzeption. Daher muß jedes Produkt der Geschichte als Produkt dessen Kontexts betrachtet werden, hinsichtlich der konkreten sozialen Beziehungen, in denen e ssich entwickelte. Aus dieser Perspektive,kann es keine solche Sache wie “neutrale”Technologie geben. Technologie entwickelt sich immer innerhalb eines sozialen Kontext mit dem expliziten Ziel diesen Kontext zu reproduzieren.
Zu diesem Zeitpunkt sind dietechnologischen Systeme, die durch dieherrschende Ordnung entwickelt wurden soaufdringlich und so schädlich, daß es absurdist auch nur vorzugeben, diese könnten für den geringsten befreienden Zweck verwendet werden. Wenn Marx, Hegel folgend, wollte, daß Geschichte ein abschließendes,vorherbestimmtes Ende habe, so wissen wir heute daß solch eine Sichtweise viel zu christlich ist um jemals wirklich revolutionär zu sein. Revolution ist eine Wette und diese Wette ist genau, daß das Unbekannte, das die Möglichkeit des Endes der Herrschaft und Ausbeutung bietet, es Wert ist, riskiert zu werden und daß dies zu riskieren die Zerstörung der Totalität dieser Zivilisation der Herrschaft und Ausbeutung beinhaltet,einschließlich der technologischen Systeme,das war alles was wir jemals wußten. Leben ist anderswo. Haben wir den Mut und denWillen es zu finden?

Anti-Copyright
Jeder Text, jedes Bild, jeder Laut, daswas dir gefällt, gehört dir. Nimm es und verwende es als deines, ohneum Erlaubnis zu fragen.

 

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Neither Intellectualism Nor Stupidity


 

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Was nähert ihr euch, schwankende Gestalten!


Im Original von Crimethinc., aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von ?

Ich trete aus meinem Schatten hinaus in die Anonymität der Dunkelheit und treffe mich mit meinem vernachlässigtem ich. Die Nacht ist unser, denke ich mir, den wilden Wald betrachtend, der ungebändigt, frei von Evolution, unter dem endlosen, alle Antworten bergenden Sternenhimmel zu mir lautlos schreit – unser und den Katzen. Wenn wir doch nur die Stimmen erhören würden, sie flehen und jammern zu uns, wie jene Katzen, die derweil den Grabgesang singen. Die Nacht birgt Perfektion, Schönheit, Vollkommenheit. Wenn sie dir wieder von Utopia erzählen wollen, nimm sie mit und führe sie zu dem Platz im Hier und Jetzt, der täglich mit dem Untergang der Sonne (und der Maschinen) am Horizont reift. Dann laß das Lied der Katzen ihr taubes Gehör zerspringen, damit sie erlöst werden vom Fluch der neuen alten Welt. Und sobald die ersten Motoren das Paradies verschlingen, werden wir den Garten freiwillig verlassen, um unsere Betten in mitten der Wälder aufzuschlagen: es ist ein Kampf der Nachtmenschen gegen die Vampire des Lichts und die Waffen gedeihen in unseren Herzen.
- Heiko B. aka „T. Atman Search“ – an ascetic hedonist

 

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Maximum Ultraism


Im Original von Crimethinc., vom Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von ?

Schließt die Kinder weg und ruft die Polizei….
„Die Gemäßigten passen sich der Welt an; die Ungemäßigten kämpfen um sie zu ändern: daher basiert jede Veränderung auf den kreativen Unangepassten. Derjenige, der auf die Vernunft hört ist verloren – Vernunft versklavt den Geist, der nicht stark genug ist zu widerstehen“
MAXIMUM ULTRAISM ist das Gegengift zu allem was in Demokratie und Salonfähigkeit erstickt. Ultras wagen einen Krieg auf Leben und Tod gegen die Zustimmung der einen Realität und für die Befreiung aller und aller anderen Realitäten.

MAXIMUM ULTRAISM ist eine Provokation, sicher. Der Teufel, und des Teufels Advokat, sind Ultras und sie haben mehr für die Freiheit und die Reichweite des Denkens getan als Gott.

MAXIMUM ULTRAISM ist die Kunst, jede Idee bis zu ihrem logischen Schluss zu durchdenken. Es bedeutet niemals halbe Sachen zu machen. Ultras demütigen hinterhältige Politiker_innen, indem sie alles offen auf den Tisch packen. Sogar, und gerade wenn sie falsch liegen tun Ultras allen einen Gefallen und zeigen die Wirksamkeit und die Schwäche von Theorien und Strategien in ihrer reinsten Form. Jede Gemeinschaft braucht ein paar Ultras um neue Möglichkeiten auszuprobieren.

MAXIMUM ULTRAISM öffnet Horizonte: Jede_r Ultra ist ein Pionier. Die Ultra entfällt allen Schulen, und macht es sogar möglich, dass andere – die sich vorher nie getraut hätten- ähnliche Positionen wie sie übernimmt. Der Ultra schafft einen Präzedenzfall und macht es dadurch den weniger offen Radikalen möglich, den neuen Zwischenraum zwischen den Radikalen und dem „Mainstream“ für sich zu entdecken.
MAXIMUM ULTRAISM ist nicht dogmatisch oder schulmeisterlich. Ein Ultra sein heisst nicht, sich und seine Gedanken aufzugeben; Orthodoxie, Fanatismus – das sind einfach konkurrierende Fabrikate der Norm. Die wahre Ultra findet ihre eigenen Grenzen und steht für die eigenen Ultimaten ein.
MAXIMUM ULTRAISM will keine_n bekehren; es ist ein Aufruf an alle, sich als ExtremistInnen der eigenen Bedürfnisse aufzubauen.

MAXIMUM ULTRAISM ist kein Wettbewerb und keine Maßregel für eine neue Elite. Mehr-Ultra-als-du ist ein Wettkampf ohne Bedeutung – es gibt genug Extreme für alle. Außerdem zeigt die Praxis des Grenzübertritts und der Verschiebung von Grenzen auf, dass es keine Mitte – und damit auch keine Extreme- gibt.
So ist MAXIMUM ULTRAISM nicht-hierarchisch; kein ernst zunehmender Ultra würde auf andere „weniger-Ultra-als-ich“ herab schauen – so etwas würde bedeuten den konformistischen Mythos, dass es eine allgemeine Norm gibt zu akzeptieren. Der wahre Ultra erkennt, dass alle 1 sind, dass der Mainstream ein Mythos der ängstlichen und KonformistInnen ist.

MAXIMUM ULTRAISM bedeutet weder sich in Anzug und Krawatte zu schmeißen und sich der Regierung anzubiedern noch seine Ausdrucksweise (für die Kameras) zu üben oder lokale Verhaltensweisen zu übernehmen um neue RekrutInnen zu verführen. Unaufrichtigkeit ist die Basis dieser kranken Gesellschaft; die Leute haben – um zu überleben – gelernt sie schon Kilometer weit zu riechen. Du tust keine_m einen Gefallen beim Zeigen ihrer Allgegenwart in allen deinen Handlungen und auch nicht, wenn du ihre Intelligenz oder Leidenschaft abwertest und dir anmaßt, sie seien nicht bereit so radikal zu sein wie du im geheimen bist. Ebenso verkleiden sich Ultras nicht als gemäßigte, um mit anderen gemäßigten zusammen für gemäßigte Ziele zu arbeiten – deine durchschnittliche Gruppe von Gemäßigten ist sowieso nur ein Haufen heimlicher Ultras, welche auf Partner wartet um endlich anzufangen.

MAXIMUM ULTRAISM ist ein bewusster Versuch, die Massen abzuschrecken – denn wer ist der größte Feind der Freiheit und der Individualität, wenn nicht die Masse? Zudem sollten wir uns nicht selbst verarschen : diese Massen sind es, die Bürgerwehren gründen und sich gegenseitig auf dem Postamt oder in der Uni umschiessen, die sich Sekten anschliessen, die Unsterblickeit durch Selbstaufgabe versprechen – diese Leute begehren Extremismus, sie wollen ihn unbedingt! Wenn alles was sie um „der Bewegung beizutreten“ bräuchten eine Radikalität wäre, die genau wie die gewöhnliche Politik aussieht, dann hätte die Grüne Partei (Linkspartei) die letzte Wahl gewonnen. Nein, die Leute brauchen handfeste Gründe für ein anderes Leben. Wenn deine radikale Haltung dich isoliert hat, bist du vielleicht nicht weit genug gegangen.
EnthusiastInnen des MAXIMUM ULTRAISM haben keine Angst davor, so radikal zu scheinen wie sie sind. Schüchternheit, Verlegenheit und Verwässerung – nichts sorgt mehr dafür, dass es so aussieht als hätten wir was in unserer Politik zu verbergen. Ultra-Positionen sind vertrauenswürdiger und kommen ohne Entschuldigungen aus; auf lange Sicht schrecken ewig lange Gegendarstellungen eher Leute ab, als dass sie sie besänftigen.

MAXIMUM ULTRAISM ist in jedem Fall Pannensicher. Der Ultra kann die Leute gegen sich und seine Ideen aufbringen, wenn er ihnen schadet (durch Terrorismus, o.ä.). Das macht ihn weniger gefährlich als den Angepassten, der einen großen Deal zum Nachteil anderer durch gewöhnliche und akzeptierte Methoden durchführt, ohne überhaupt bemerkt zu werden.

MAXIMUM ULTRAISM kann Positionen und Taktiken, die weniger radikal wahrgenommen werden ergänzen. Einige, die sich selbst als Angepasst sehen, beschuldigen die Ultras im selben Lager die Unterstützer_innen zu verschrecken – aber de Facto können Ultras diese Positionen für einige Leute attraktiv machen und ihre Feinde durch die Wahl des kleineren Übels zu Eingeständnissen zwingen: „Verhandelt mit uns, oder ihr müsst euch mit den Ultras einigen.“

Überflüssig zu schreiben, dass diejenigen die mit dem MAXIMUM ULTRAISM verbunden sind keine Umfragen betreiben oder auch nur einen Scheiss auf Statistiken geben. Du bist verantwortlich für deine Meinung und deine Entscheidungen; ein Blick auf die jüngste Geschichte zeigt, dass die Mehrheit es nur durch Zufall besser erfahren hat. Leben ist nichts, über das mensch abstimmen kann – du hast dein eigenes, und das ist alles auf das du aufbauen kannst und keine_r weiß besser was gut für dich ist. Die Lähmung, die durchs „warten bis du genug über das Thema weißt“ entsteht tut keine_m gut – zieh deine Schlüsse aus deinen Erfahrungen und agiere danach! Diejenigen, die einen Ausdruck ihres geheimen Inneren in deinen Aktionen erkennen oder die mit deinen Aktionen unterstützt werden, werden es bemerken – und mitmachen.
MAXIMUM ULTRAISM wird deinesgleichen nicht abschrecken – es wird dir Anerkennung unter den Waghalsigsten und Leidenschaftlichsten unter ihnen bringen.

Damit wollen wir nicht sagen, dass das MAXIMUM ULTRAISM nichts für empfindsame und verletzliche Menschen ist – Ultratum ist ein Weg sich selbst zu stärken. Sich täglich durch eine Welt zu bewegen, die deinen Werten, deiner ganzen Existenz widerspricht und sie abweist, ist der Schaffungsort für einen entschlossenen Charakter, der nicht durch Gruppenzwang oder vorübergehende Launen unterhöhlt werden kann. Ultras gehören zu denen, die ihre Gefühle äusseren können und tun was sie sagen; sie haben nichts zu verlieren und nichts zu verstecken. Eine Ultra, wenn sie mit dir auf einer Wellenlänge ist, ist der vertrauenswürdigste Verbündete, den du gewinnen kannst.

MAXIMUM ULTRAISM birgt Schätze für die Zukunft. Denk an all die Genies und Visionär_innen, die marginalisiert und unbekannt gestorben sind! Hätten sie stattdessen ihre Einsichten verwässert und ihre Visionen ihrer Zeit angepasst, hätten sie uns um all diese Reichtümer betrogen. Wir sollten für ihre Weitsicht und ihre Bereitschaft, sich zu isolieren und sich zu einem Teil der kommenden Welt zu machen dankbar sein. Zurückgezogenheit, Verworrenheit, die Maske des Wahnsinns – das kann eine_m ermöglichen Wahrheiten und Möglichkeiten – die für diejenigen, die durch Zukunftserwartungen und dem Anspruch realistisch zu sein unsichtbar sind – zu erkennen. Wir können alle solche Genies sein, wenn wir an unsere Visionen glauben und danach handeln. Eine Verbindungen mit dem Ultraism bedeutet ein Glaube an die unbegrenzte Ergiebigkeit der Fantasie und die endlosen Möglichkeiten des Universums.
MAXIMUM ULTRAISM ist eine ganzheitliche Lebensweise, welche Theorie und Praxis vereint. Die Ansichten der Ultras spielen eine aktive Rolle in ihrem alltäglichem Leben – sie sind nicht bloß Small-Talk Elemente, die bei Dinner Parties rausgeschwafelt werden. Indem sie ihre eigenen Prinzipien ausarbeitet und im Einklang mit ihnen handelt, indem sie sich selbst und ihr Schicksal ernst genug nimmt um eine Statistenrolle im Drehbuch des Spektakels der schweigenden Mehrheit zu verweigern, ist ihr eine führende Rolle in einer Lebensgeschichte voller Abenteuer sicher: hohes Risiko, viel zu gewinnen, Tragödien zu erleiden. Langeweile, Gefühle von Bedeutungslosigkeit und Ohnmacht sind die letzten ihrer vielen Probleme. Wenn sie lacht kommt es aus tiefstem Herzen, wenn sie weint, weint sie aus voller Seele. Eine Ultra lebt vielleicht ein Leben der Verzweiflung, aber du kannst Gift darauf nehmen, dass es kein unbemerktes sein wird.

MAXIMUM ULTRAISM ist das Gegenteil des fröhlichen Propaganda-Maschine, welches durch die fröhlichen Medien gefördert wird. Es ist eine Aufforderung an jene, die Lager und Gefängnisse im Namen der Mäßigung ablehnen – ein gemäßigter Grad der Überwachung, ein gemäßigter Grad von Leben und dementsprechend ein gemäßigter Grad von Tod. Ultras kontern dies mit einer leidenschaftlichen Hingabe zum Leben – diejenigen die sich dem Tod widmen sind nicht länger mit uns.
MAXIMUM ULTRAISM ist in jeder ihrer einzelnen Äußerungen einzigartig.
MAXIMUM ULTRAISM kann nicht eingesperrt werden.
MAXIMUM ULTRAISM ist radikal demokratisch.
Individuelles Ultratum ist ein Akt der Solidarität mit jede_m anderen, der/die glaubt, träumt und außerhalb der Normen handelt.
Für eine Revolution ohne Grenzen, gegen Zwänge und Beherrschung! Lang lebe die Superlative!
-Crimethink. Task Force
für Mäßigung und Beschwichtigung
„Die Gemäßigten passen sich der Welt an; die Ungemäßigten kämpfen um sie zu ändern: daher basiert jede Veränderung auf den kreativen Unangepassten. Derjenige, der auf die Vernunft hört ist verloren – Vernunft versklavt den Geist, der nicht stark genug ist zu widerstehen“
MAXIMUM ULTRAISM in Aktion:
Vor einigen Jahren hat die lokale Umwelt-Aktions-Gruppe einige Flyerverteiler_innen losgeschickt um Bewusstsein für die gefährlichen Eigenschaften des Atomkraftwerkes, welches das ganze Land mit Strom versorgt, zu schaffen. Der junge Aktivist klingelt und spielt sein Gelaber gegenüber dem grauhaarigen Veteran, der geöffnet hat ab. Dieser hört sich freundlich alles an – und unterbricht nur einige Male um über die ganzen Ungerechtigkeit und die Umweltzerstörung wütend zu fluchen. Als Abschluss seiner Präsentation erklärt der Junge höflich, dass die Aktions-Gruppe Spenden sammelt, die mensch von der Steuer absetzen kann und lädt den älteren Herren ein, eine Petition zu unterschreiben. Dieser war verblüfft:
„Du erzählst mir, dass diese Arschgeigen das Land auf dem wir leben zerstören – und willst das ich eine Petition unterschreibe? Was soll das bringen?
„Ja, also, wir-“
„Wenn das stimmt was du sagst, sollten wir diese Motherfucker mit Knarren besuchen! Ernsthaft, das ist nur ein Stück Papier – werden die Leute deswegen was machen oder wie?“
„Ja aber, ehm, – wir müssen ja irgendwo anfangen…“
„Junge, wenn du hierbei keine Hilfe bist, geh weiter – du hast eh einen Job zu erledigen oder? Ich kümmer mich selbst darum.“
Holly’s Vater ruft bei Duke Power an – wahre Geschichte! – und fragt sie ob das, was er über ihr Kraftwerk gehört hat wahr ist. Ihre Antworten waren ausweichend genug, so dass er überzeugt war – und er forderte einen Wagen vorbei zuschicken um sein Haus aus ihrem System ausklinken. Mensch kann sich die Fassungslosigkeit des Mitarbeiters der den Anruf an nahm nur vorstellen:
„Entschuldigen Sie?“
„Das ist richtig, ich will das Sie sofort jemanden her schicken, der mich vom Netz nimmt. Wir sind fertig mit ihren Leistungen.“
„Entschuldigen Sie… Ich bin nicht sicher ob es da wen gibt – Ich meine, ich habe noch nie von jemanden gehört, der so danach gefragt hat vom Netz genommen zu werden.“
„Hör zu, ich will nicht nur vom Strom getrennt werden. Ich sag euch, dass ihr die ganze Anlage, Kabel und alles, aus meinem Haus schaffen sollt – oder ich werd’s selber tun! Und glaubt nicht, dass ihr mit eurem Scheiss davon kommt. Wir kennen eure Tricks, ihr arschleckenden Blutsauger.“

Darum gab es, als Henry Kampfsport Kurse bei Holly’s Vater nehmen wollte keinen Strom in seinem Haus. Gebt uns 100 Menschen wie ihn und wir machen das Ding genau jetzt fertig. Das ist MAXIMUM ULTRAISM!
*Wenn das wahr ist, dann sind alle Ultras, egal ob sie sich so bezeichnen oder nicht. In diesem Fall sollte eine Aufforderung zum Ultratum, wie diese hier, nicht als Versuch Leute zu einer bestimmten Art und Weise des Handelns zu überreden gelesen werden, sondern als ein Angriff auf die Alibis von Mäßigung und Rücksicht auf die öffentliche Meinung.

1. Wenn das wahr ist, dann sind alle Ultras, egal ob sie sich so bezeichnen oder nicht. In diesem Fall sollte eine Aufforderung zum Ultratum, wie diese hier, nicht als Versuch Leute zu einer bestimmten Art und Weise des Handelns zu überreden gelesen werden, sondern als ein Angriff auf die Alibis von Mäßigung und Rücksicht auf die öffentliche Meinung

 

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Unser Job ist es


Im Original von Crimethinc., aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von Arsen_13

Willkommen zu unserer Anzeige. Es ist immer wieder beruhigend für uns hier im großen Geschäft mit den blauen Scheinen zu wissen, dass sich dein Blick ständig auf die Bilder von schönen Frauen richtet, die an phallisch geformten Dingen lecken – es macht es uns so viel einfacher deine Aufmerksamkeit zu bekommen. Und wenn wir schon mal deine Aufmerksamkeit haben, dann ist es ein leichtes für uns, dich zum Kaufen irgendwelcher Waren zu bringen, von denen du gar keinen Nutzen hast und für die du auch eigentlich kein Geld hast. Kauf einfach auf Kredit oder zahl’s ab in Raten – Damit können wir dich an einen Job fesseln, den du abgrundtief hasst, einfach weil du uns den Kredit oder die Raten wieder zurückzahlen musst. Und indem du förmlich durch diesen Job geschleift wirst, 8 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche, immer wieder vollkommen k.o. nach Hause kommst, du nur noch die Glotze anschalten und die Plackerei endlich vergessen willst, wirst du niemals wirklich etwas tun, um dieses System aus dem Gleichgewicht zu bringen, für dessen Erhalt wir doch alle so hart arbeiten – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Und selbstverständlich kommen auch diese schönen Frauen wieder, sobald du dich einmal vor den Kasten gepflanzt hast! Und das wirklich schöne an all dem ist, dass dieser Weg nicht nur effizient ist, sondern auch praktisch zwingend ist!!! Du hilfst uns dabei und wir helfen dir dabei immer schon „auf der geraden Bahn zu bleiben“!

 

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Macht es Sinn etwas zu tun, wenn niemand zusieht?


Im Original von Crimethinc., vom Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von Arsen_13

Wir alle möchten gerne berühmt sein, in den Medien gesehen und auf Zelluloid gebannt werden, weil wir mittlerweile dem, was wir sehen mehr vertrauen, als dem, was wir tatsächlich erleben. Abbilder der Realität erscheinen uns wirklicher als unsere eigenen Erfahrungen und unsere eigene Realität. Um zu wissen, dass wir tatsächlich existieren, dass wir eine Bedeutung haben, müssen wir Geister unserer selbst sehen, die auf Photos, auf Videofilmen und in Fernsehshows gezeigt werden. Wenn du z.B. in den Urlaub fährst, was siehst du dann? Hunderte von TouristInnen mit Videokameras an ihre Gesichter gepresst, so als würden sie versuchen Alles aus der wirklichen Welt in die zweidimensionale Welt der Bilder auf zusaugen und ihre „Freizeit“ dafür zu nutzen, die Welt durch eine kleine Linse zu betrachten. Sicher! Alles, was man mit seinen fünf Sinnen erleben könnte in aufgenommene Informationen zu wandeln und sie später aus der Ferne zu beobachten, erschafft die Illusion, dass wir Kontrolle über unser Leben hätten: Wir können immer wieder zurück spulen und alles noch einmal ablaufen lassen, immer und immer wieder, solange bis uns alles nur noch lächerlich erscheint. Aber was für ein Leben ist das?

 

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Arbeit: Raub des Lebens


Von Wolfi Landstreicher, aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von die Eule (dieeule a-im-kreis riseup punkt net)

„Was ist der Bombenanschlag auf einen Richter, die Entführung eines Industriellen, das Hängen eines Politikers, das Erschiessen eines Polizisten, das Plündern eines Supermarktes, die Brandstiftung am Büro eines Bevollmächtigten, die Steinigung eines Journalisten, das Erpressen eines Intellektuellen, das Plündern eines Künstlers angesichts der tödlichen Entfremdung unserer Existenz, dem viel zu frühen Lärm des Weckers, dem Verkehrsstau auf der Schnellstrasse, den aneinandergereihten Gütern auf den Regalen?“

Der Wecker unterbricht deinen Schlaf erneut – wie immer viel zu früh. Du schleppst dich von deinem warmen Bett zum Badezimmer, um eine Dusche zu nehmen, dich zu rasieren und zu kacken, dann rennst du zur Küche runter, wo du Pasteten machst oder, wenn du Zeit hast, ein bisschen Toast mit Eiern und einer Tasse Kaffee. Dann eilst du zur Tür raus, um gegen den Verkehrsstau oder die vielen Menschen in der Metro anzukämpfen, bis du endlich ankommst… bei deiner Arbeit, wo du deinen Tag mit Aufgaben verbringst, die du dir nicht selbst ausgesucht hast, in aufgezwungener Gemeinschaft mit anderen, die mit damit zusammenhängenden Aufgaben beschäftigt sind, da ist die fortwährende Reproduktion der sozialen Beziehungen das wichtigste Ziel, was dich dazu zwingt, auf diese Art und Weise zu überleben.

Aber das ist nicht alles. Als Ausgleich erhältst du einen Lohn, eine Summe von Geld, die du (nach Bezahlen der Miete und der Rechnungen) in die Einkaufszentren tragen musst, um Nahrung, Kleider, verschiedene Notwendigkeiten und Unterhaltungswaren zu kaufen. Obwohl dies als deine „freie Zeit“ angesehen wird, ist auch sie eine obligatorische Aktivität, welche dein Überleben nur sekundär garantiert, sein primärer Grund ist wiederum die Reproduktion der sozialen Ordnung. Und für die meisten Menschen sind von diesen Zwängen freie Momente immer seltener.

Nach der herrschenden Ideologie dieser Gesellschaft ist diese Existenz das Resultat eines sozialen Vertrages zwischen Gleichen – gleich vor dem herrschenden Gesetz. Der /die ArbeiterIn, heisst es, ist damit einverstanden, seine/ihre Arbeit dem/der ChefIn für ein gegenseitiges Einverständnis über den Lohn zu verkaufen. Aber kann ein solcher Vertrag als frei und gleich angesehen werden, wenn die eine Seite die ganze Macht in Händen hält?

Wenn wir diesen Vertrag etwas genauer betrachten, wird es klar, dass es überhaupt kein Vertrag ist, sondern die extremste und gewalttätigste Erpressung. Am offensichtlichsten tritt dies am Rande der kapitalistischen Gesellschaft auf, wo Menschen, die für Jahrhunderte (oder, in einigen Fällen, Jahrtausende) nach eigenen Bedingungen gelebt haben, plötzlich ihre Möglichkeiten zur Selbstbestimmung ihrer Lebensbedingungen vernichtet, und dies als das Werk von Bulldozern, Kettensägen, Bergbaumaschinen etc. der Herrschenden dieser Welt. Aber es ist ein Prozess, der sich über Jahrhunderte erstreckte, von offensichtlichem und grossflächigem Raub von Land und Leben, der durch die herrschende Klasse erzwungen und ausgeführt wurde. Der Mittel beraubt, ihre Lebensbedingungen selbst zu bestimmen, kann nicht mehr ernsthaft behauptet werden, dass die Ausgebeuteten frei und gleich mit ihren AusbeuterInnen Verträge abschliessen können. Es ist ein klarer Fall von Erpressung.

Und was sind die Bedingungen dieser Erpressung? Die Ausgebeuteten werden gezwungen, Zeit ihres Lebens an ihre AusbeuterInnen im Austausch für das Überleben zu verkaufen. Und dies ist die wirkliche Tragödie der Arbeit. Die soziale Ordnung der Arbeit gründet auf dem auferlegten Gegensatz von Leben und Überleben. Die Frage, wie jemand überleben wird, unterdrückt die Art, wie jemand leben will, und mit der Zeit scheint dies alles natürlich und mensch beschränkt die eigenen Träume und Wünsche auf die Dinge, die mit Geld gekauft werden können.

Wie auch immer, die Bedingungen der Arbeitswelt lassen sich nicht nur auf diejenigen anwenden, die eine Arbeit haben. Es ist leicht zu sehen, wie die Arbeitslosen voller Angst vor Obdachlosigkeit und Hunger von der Arbeitswelt ergriffen sind. Aber dieselben sind Empfänger von Staatshilfe, dessen Überleben auf der Beistands-Bürokratie basiert… sogar diejenigen, für die die Vermeidung einer Arbeit eine solche Priorität bekommen hat, dass die eigenen Entscheidungen um Betrug, Ladendiebstahl, Müll kreisen – eben all den verschiedenen Wegen, um ohne einen Job durchzukommen -, sind davon ergriffen. Mit anderen Worten werden Aktivitäten, die gute Mittel zur Unterstützung eines Lebensprojekts sein könnten, selbst zu abgeschlossenen Aufgaben oder Zielen, indem das reine Überleben zum Lebensprojekt wird. Inwiefern unterscheidet sich dies denn wirklich von einem Job?

Aber was ist denn die wirkliche Basis der Macht hinter dieser Erpressung, welche die Arbeitswelt darstellt? Natürlich gibt es Gesetze und Gerichte, Polizei und Militär, Geldstrafen und Gefängnisse, die Angst vor Hunger und Obdachlosigkeit – all die sehr realen und bedeutenden Aspekte der Herrschaft. Aber sogar die staatliche Waffengewalt kann nur dann ihre Aufgaben erfolgreich durchführen, wenn die Menschen sich unterwerfen. Und hier finden wir die wirkliche Basis jeglicher Herrschaft – die Unterwerfung der Sklaven, ihre Entscheidung, die Sicherheit der bekannten Not und Dienerschaft zu akzeptieren, statt das Risiko der ungekannten Freiheit einzugehen, also ihre Einwilligung, ein garantiertes, aber farbloses Überleben zu akzeptieren im Austausch für die Möglichkeit eines wirklichen Lebens, das eben keine Garantien bietet.

Um also der eigenen Sklaverei ein Ende zu setzen, um über die Grenzen des blossen Überlebens hinaus zu gelangen, ist es notwendig, sich für die Verweigerung der Unterwerfung zu entscheiden; es ist notwendig damit zu beginnen, sich das eigene Leben hier und jetzt wieder anzueignen. Durch ein solches Projekt gerät mensch unvermeidlich in einen Konflikt mit der gesamten sozialen Ordnung der Arbeit; also muss das Projekt der Rückeroberung der eigenen Existenz auch das Projekt der Zerstörung der Arbeit sein. Um Missverständnissen vorzubeugen: Wenn ich „Arbeit“ sage, meine ich damit nicht die Aktivität, wodurch die Mittel der eigenen Existenz geschaffen werden (welche idealerweise niemals vom einfachen Leben getrennt sein würden), sondern eine soziale Beziehung, welche diese Aktivität in eine vom eigenen Leben getrennte Sphäre transformiert und sie in den Dienst der herrschenden Ordnung setzt, so dass die Aktivität eigentlich aufhört, irgend eine direkte Beziehung zur Bildung der eigenen Existenz zu haben, sondern sie bloss im Reich des Überlebens aufrecht erhält (unabhängig vom Grad des Konsums) durch eine Serie von Entfremdungen, von welchen Eigentum, Geld und Warenaustausch zu den wichtigsten gehören. Dies ist die Welt, welche wir zerstören müssen im Prozess der Rückeroberung unserer Leben, und die Notwendigkeit dieser Zerstörung macht das Projekt der Wiederaneignung unseres Lebens eins mit dem Projekt des Aufstands und der sozialen Revolution.

 

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Natur als Spektakel – Die Vorstellung von Wildnis vs. Wildheit


Im Original von Feral Faun / Wolfi Landstreicher / Apio Ludd, vom Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von Florian Grebner
(Anmerkung des Autors: Das häufige benutzen von Anführungszeichen innerhalb dieses Essays soll die Idee bekräftigen, dass Natur und Wildnis Konzepte sind und keine tatsächliche Wesen)¹

Natur hat nicht immer existiert. Sie findet sich nicht in den tiefen des Waldes, im Herzen des Pumas oder in den Liedern der Pygmäen; sie findet sich in den Philosophien und Bild-Konstruktionen von zivilisierten menschlichen Wesen. Scheinbar widersprüchliche Stränge werden zusammen gewoben um Natur als ein ideologisches Konstrukt zu kreieren, das uns domestizieren soll, das unsere Äußerungen von Wildheit unterdrücken und dirigieren soll.

Zivilisation ist monolithisch und der zivilisierte Art alles was wahrgenommen wird zu begreifen ist ebenfalls monolithisch.Wenn der zivilisierte Verstand mit den unzähligen Wesen um ihn herum konfrontiert wird muss er sie kategorisieren um das Gefühl zu haben das er sie versteht. (Jedoch versteht er de facto nur wie man Sachen [things] für die Zivilisation dienlich macht). Natur ist eine der essentiellsten der zivilisierten Kategorien um die Wildheit der menschlichen Individuen einzugrenzen und eine Selbstidentifikation als zivilisiertes soziales Wesen zu erzwingen
Vermutlich war die frühsten Konzeption von Natur so was ähnliches wie die die man im alten Testament der Bibel findet: Die böse Wildnis, ein trostloser Ort, welcher von bösartigen und verderblichen Bestien, heimtückischen Demonen und den verrückten bewohnt wurde. Diese Konzeption diente besonders für frühe Zivilisationen einen wichtigen Zweck. Sie löste Angst vor dem was wild war aus, wodurch die meisten Menschen innerhalb der Stadtmauern blieben und diejenigen, welche herausgingen um zu erkunden, nahmen eine defensive Position ein, wie als währen sie im Gebiet des Feindes. So half dieses Konzept die Dichotomie zwischen „Mensch“ und „Natur“zu kreieren, welche Individuen davon abhielt wild, das heißt nach ihren eigenen Bedürfnissen, zu leben.

Allerdings musste eine vollständig negative Konzeption von Natur irgendwann ihre Nützlichkeit einbüßen, da es Zivilisation zu einer geschlossenen und belagerten Festung machte und Zivilisation sich erweitern muss damit sie mehr und mehr ausbeuten kann. „Natur“ wurde zu einen Korb von Ressourcen, eine „Mutter“, welche die „Menschheit“ und ihre Zivilisation nährt. Sie war schön, war es wert verehrt zu werden, Betrachtung, Untersuchung…und Ausbeutung. Sie war nicht böse…, aber sie war chaotisch, launisch und unzuverlässig. Zum Glück der Zivilisation hatte sich die „menschliche Natur“ entwickelt, rational und das Ordnen von Sachen [things], das unter ihre Kontrolle bringen, benötigend. Wilde Orte waren nötig damit Menschen die „Natur“ in einen unberührten Zustand studieren und beobachten konnten, aber genau so, dass zivilisierte Menschen es schafften die „natürlichen“ Prozesse zu verstehen und zu kontrollieren damit sie diese nutzen können um die Zivilisation zu erweitern. So wurde die „böse Wildnis“ von der „Natur“ oder „Wildheit“ überschattet, welche einen positiven Wert für die Zivilisation hat.

Das Konzept der Natur erschafft ein System von Werten und Moral. Aufgrund der offensichtlichen widersprüchlichen Stränge, welche die Entwicklung von „Natur“ beeinflusst haben, erscheinen diese Systeme widersprüchlich, jedoch erreichen sie alle das selbe Ziel: Unsere Domestizierung. Jene die uns sagen, dass wir uns „zivilisiert verhalten“ sollen und jene die uns sagen, dass wir uns „natürlich verhalten“ sollen sagen uns Beide folgendes : „Lebe in Übereinstimmung mit externen Werten, nicht in Übereinstimmung mit deinen Verlangen.“ Die Moral der Natürlichkeit ist nicht weniger grausam gewesen als jede andere Moral. Menschen sind wegen der Ausübung „unnatürlicher Akte“ eingesperrt, gefoltert und sogar getötet worden und werden es immer noch. „Natur“ ist eben auch ein häßlicher und fordernder Gott.

Von Anfang war Natur ein Bild, welches von den Authoritäten erschaffen wurde um ihre Macht zu verstärken. Es ist keine Überraschung, dass in modernen Gesellschaften, wo das Bild die Realität dominiert und sie oft zu kreieren scheint, die „Natur“ zu einen eigenständigen Mittel wird um uns weiterhin domestiziert zu lassen. „Natur“ Shows im Fernsehen, Sierra Club Kalender, Ausstatter für die „Wildnis“, „natürliches“ Essen und Textilfasern, der „ökologische“ President und „radikale“ Ökologie hecken zusammen die Erschaffung der „Natur“ und unser „richtiges“ Verhältnis zu ihr aus. Bei diesem subtilen beschwören des Bildes werden Aspekte der „bösen Wildnis“ von frühen Zivilisationen beibehalten. „Natur“ Shows zeigen immer Szenen in denen Prädation vorkommt und man sagt sich, dass die Regisseure versuchen mit elektronische Stachelstöcke² die Tiere zu Kämpfen anzutreiben. Die Warnungen vor gefährlichen Tieren und Pflanzen, die man Möchtegern „Wildnis“ Entdeckern mitgibt und die Anzahl von Produkten, welche von „Wildnis“ausstattern kreiert wurden um mit ihnen klar zu kommen ist – so meine eigene Erfahrung beim wandern durch wilde Orte – ziemlich unverhältnismäßig. Das Leben außerhalb der Zivilisation wird als Kampf ums Überleben dargestellt.

Jedoch brauch die Gesellschaft des Spektakels die unterschwellige „böse Wildnis“ um sie effizient zu nutzen. Das vorherrschende Bild der „Natur“ ist, dass sie eine Resource und eine Schönheit ist, die man betrachten und studieren sollte. „Wildnis“ ist ein Ort in dem wir uns für eine kurze Zeit, wenn wir richtig ausgerüstet sind, zurück ziehen können um von dem eintönigen Alltag zu fliehen, uns auszuruhen und nachzudenken oder um Spannung und Abenteuer zu finden. Und die „Natur“ bleibt die „Mutter“, die uns mit dem versorgt was wir brauchen, die Resource aus der sich die Zivilisation selbst erschafft.
In der Kultur der Ware erweckt die „Natur“ unser Verlangen nach ausgelassenen Abenteuern, nach einen Leben frei von Domestizierung, indem sie uns dieses Bild verkäuft. Das unterschwellige Konzept der „bösen Wildnis“ gibt dem wandern durch die Wälder einen hauch von Risiko, was die abenteuerlustigen und rebellisch anspricht. Außerdem verfestigt es die Idee, dass wir dort nicht wirklich hingehoren, dementsprechend werden uns zahllose Produkte verkauft, welche als nötig empfunden werden wenn wir in die wilden Orte einfallen. Das positive Konzept von Natur gibt uns das Gefühl, das wir wilde Orte erleben müssen (wobei nicht realisiert wird, dass die Konzepte, welche in uns eingespeist wurden unsere Erfahrung mindestens genau so stark beeinflusst wie unsere tatsächliche Umgebung). Auf diese Weise schafft es die Zivilisation sogar die Gebiete wieder zugewinnen [recuperares]³, die sie nicht direkt berührt und transformiert sie in „Natur“, in „Wildniss“, zu Aspekten die uns weiterhin domestiziert halten.

„Natur“ domestiziert indem es die Wildheit in eine monolithische Einheit verwandeln, einen riesigen Bereich fernab der Zivilisation. Das Ausdrücken von Wildheit inmitten der Zivilisation wird als kindisch, verrückt, Kriminalität, Verbrechen oder Sittenlosigkeit bezeichnet, dadurch ist es möglich sie abzuweisen, einzusperren, zu zensieren oder zu bestrafen und dabei immernoch die Behauptung aufrechtzuhalten, dass was „natürlich“ ist ist gut. Sobald „Wildheit“ statt eines Ausdruckes unserer eigenen Freigeisterei ein Bereich außerhalb von uns ist, kann es Experten für die „Wildheit“ geben, die uns beibringen wie wir uns „richtig“ mit ihr „verbinden“ können. Entlang der Westküste gibt es alle Arten von geistigen Lehrern, welche ein Vermögen daran verdienen „Wildheit“ an Yuppies auf eine Weise zu verkaufen, die ihre ständischen Träume, ihre Porsche oder ihre Eigentumswohnung nicht bedroht. „Wildnis“ ist heutzutage eine sehr profitable Industrie.

Ökologen – sogar „radikale“ Ökologen – spielen dem in die Hand. Anstatt zu versuchen wild zu werden4 und die Zivilisation mit ihren befreiten [unchained] Begierden zerstören, versuchen sie lieber die „Wildnis zu retten“. In der Praxis heißt dies, dass man die Authoritäten anbettelt oder versucht sie zu manipulieren damit sie die schädlicheren Aktivitäten bestimmter Industrien aufhalten und relativ ungeschädigten Wälder, Wüsten und Berge zu geschützten„Wildnisgebieten“5 erklären. Dies verstärkt nur das Konzept der Wildheit als monolithische Einheit – „Wildnis“ oder „Natur“ – und die Kommodifizerung, welche diesen Konzept zugrunde liegt. Die Basis des Konzepts des „Wildnisgebietes“ ist die Trennung von „Wildheit“ und „Menschheit“. Daher sollte es nicht überraschen, dass ein Teil der „radikalen“ Ökologieideologie den Konflikt zwischen „Biozentrismus“ und „Anthropozentrismus“ erschaffen hat – als ob wir etwas anderes sein sollten als Egozentrisch.

Selbst diese „radikalen Ökologen“, die behaupten, dass sie die Menschen wieder in die „Natur“ integrieren wollen, machen sich selbst was vor. Ihre Vision von einem „wilden, symbiotischen Ganzen“ (wie es einer von ihnen mal nannte) ist nur das von der Zivilisation kreierte monolithische Konzept auf quasi-mythische Weise ausgedrückt. „Wildnis“ bleibt für diese ökologischen Mystiker ein monolithische Wesen, das viel größer ist als wir, ein Gott dem wir uns unterwerfen müssen. Jedoch ist Unterwerfung Domestizierung. Unterwerfung ist das was die Zivilisation am laufen hält. Der Name, der die Ideologie trägt, welche die Unterwerfung durchsetzt ist nicht relevant – lass es „Natur“ sein, lass es das „wilde, symbiothische Ganze“ sein. Das Resultat wird immer noch die Fortsetzung der Domestizierung sein.

Wenn Wildheit als etwas gesehen wird was nichts zu tun hat mit einen monolithischen Konzept, inklusive „Natur“ und „Wildnis“, wenn es gesehen wird als potenzielle Freigeisterei in jedem Individuum, die sich jederzeit manifestieren könnte, nur dann kann es zu einer Gefahr für die Zivilisation werden. Jeder von uns könnte Jahre in „der Wildnis“ verbringen, aber wenn wir weiterhin unsere Umgebung durch die Linse der Zivilisation sehen, wenn wir die Myriaden von Wesen monolithisch als „Natur“, als „Wildnis“, als „wildes, symbiotisches Ganzes“ begreifen, bleiben wir zivilisiert; wir wären nicht wild. Aber wenn wir, inmitten der Stadt, jederzeit aktiv uns unserer Domestizierung wiedersetzen, uns weigern von den Rollen, die uns aufgezwungen werden, dominieren zu lassen und stattdessen in Übereinstimmung mit unseren Leidenschaften, Verlangen und Launen leben, wenn wir das einmalige und unberechenbare Wesen werden, welches sich unter den Rollen versteckt, dann sind wir, für diesen Moment, wild. Wild zwischen den Ruinen der verfallenden Zivilisation spielen (aber lässt euch nicht täuschen, selbst im verfallen ist sie ein gefährlicher Feind und kann noch sehr lange weiter wanken ehe er umfällt), damit können wir unser Möglichstest tun um sie zum umfallen zu bringen. Und die freigeistigen Rebellen werden die Überlebenskunst der Ökologie als einen weiteren Versuch der Zivilisation das freie Leben zu unterdrücken ablehnen und werden nach einen chaotischen, sich ständig verändernden Tanz von Freien, verbundenen, einmaligen Individuen, Leben streben; in Opposition sowohl zur Zivilisation als auch der „Natur“, den Versuch der Zivilisation sich wildes freigeistiges Leben anzueignen.

Anmerkungen des Übersetzers:
¹Da Feral Faun die Hervorhebung wichtig ist, wurden die Wörter mit „natur“ oder „wilderniss“ o.ä. in sich, gewollt „unsauber“ übersetzt . Dies hat den Sinn, dass der Natur- bzw. Wildnisbegriff nicht verschwinden soll, da genau diese Beiden für die Argumentation sehr entscheidend sind.

² Elektronische Stachelstöcke werden zum Viehtreiben benutzt.

³ Recuperare / Rekuperation verweiset nicht nur auf „wiedererlangen“, „wiedergewinnen“, „wiedergutmachen“ o. ä. es ist ebenfalls ein wichtiges Konzept innerhalb der Theorien der Situationistischen Internationale. Es steht für Rebellion als Ware, die Simulation von Rebellion. Dies muss man ergänzent zu Debords Begriffs der Gesellschaft des Spektakels sehen; in dieser Gesellschaftsform „spielt“ jeder nur seine zugewiesene Rolle, Zeichen sind leer und beziehen sich nur auf sich selbst, in dieser Gesellschaft wird ebenfalls Rebellion (ohne Folgen) simuliert. Das ist aber nur eine stark vereinfachte Darstellung, wer sich für die ganzen Anarchisten á la Feral Faun, Alfredo Maria Bonanno, Bob Black et al interessiert sei zu empfehlen „Die Gesellschaft des Spektakels“ zu lesen. Die dortigen Fachbegriffe tauchen sehr häufig in ihren Theorien auf.

4 im Original „to go wild“, ich habe es „wild zu werden“ übersetzt, da alle gängigeren Übersetzungen davon eher abfällig sind – z.B. verkommen, ausflippen – und damit der Intention des Textes zuwiderlaufen.

5In Deutschland & der EU gibt es dutzende Arten der geschützten „Wildnisgebiete“, die wichtigsten wären Naturschutzgebiet, Landschaftsschutzgebiete, Schutzgebiete & Natura-2000-Gebiete.

 

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Es gibt eine geheime Welt


Im Original von Crimethinc., vom Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von Arsen 13

Diese Welt, die sogenannte “wirkliche Welt” ist nur eine Fassade. Zieh den Vorhang zur Seite und du wirst merken, daß die Bibliotheken voller AusreißerInnen sind, die Romane schreiben, daß sich auf den Autobahnen lauter Flüchtende und SympathisantInnen tummeln, daß all die SekretärInnen und vernünftigen Eltern an ihren Ketten zerren und nach einer Chance suchen, um zu zeigen, wie lebendig sie noch sind… Und all das Geschwätz über “Sachlichkeit” und “Verantwortung” ist nur eine Drohung und ein Bluff, damit wir nicht wagen unsere Hände nach der anderen Welt auszustrecken, die so nah vor uns liegt.

Es gibt eine geheime Welt, die in dieser verborgen ist.

Du kannst sie im ungestümen Aufbäumen deines ersten Kusses schmecken oder in dem Blut, das nach einem plötzlichen Unfall in deinen Mundwinkel fließt, wenn du begreifst, daß du gerade nur knapp dem Tod entronnen bist. Du kannst sie in den Windböen spüren, die dir in einer Nacht voller Abenteuer auf den Häuserdächern einer Stadt um die Ohren pfeifen. Du kannst sie im Zauber deines Lieblingslieds hören, wie es dich bewegt auf eine Art, die keine Wissenschaft messen kann. Es kann sein, daß du einen Beweis für sie auf einer öffentlichen Toilette gefunden hast, eine in die Klotür eingeritzte geheime Botschaft, die du nicht entschlüsseln kannst. Oder daß du einen Hinweis auf sie in der blassen Projektion der Kinofilme gesehen hast, die dafür gemacht sind uns bei Laune zu halten. Sie schwingt in unseren Erzählungen mit, wenn wir von unseren Lüsten und Sehnsüchten sprechen, die immer noch hinter den Mauern unserer “pragmatischen” und “realistischen” Lebensweise lauern.

Wenn DichterInnen und AktivistInnen bis zum Morgengrauen wach bleiben und ihre Hirne zermatern, um die perfekte Zusammenstellung von Wörtern und/oder Umsetzung von Aktionen zu finden, die das Feuer in die Herzen (und Städte) tragen, dann versuchen sie nichts anderes als einen versteckten Eingang in sie zu finden. Wenn Kinder aus dem Fenster klettern und spät nachts durch die Nachbarschaft streifen, wenn FreiheitskämpferInnen nach den Schwächen in den Festungen der Regierung suchen, wenn Teenager eine Reklametafel zerstören um sich die ganze Nacht Verfolgungsjagden mit den Bullen liefern zu können, wenn AnarchistInnen den geordneten Ablauf einer Demonstration stören und die Schaufenster einer Firmenkette entglasen, dann versuchen sie alle ihren Eingang zu stürmen.

Wenn du Sex hast und du entdeckst neue Gefühle und Körperregionen deines/deiner LiebhaberIn, und ihr beide fühlt euch wie ForscherInnen, die neue Weltteile entdecken, die einer Wüstenoase oder der Küste eines unbekannten Kontinents ebenbürtig sind, dann entwerft ihr ein Bild ihres Gebiets.

Es ist bestimmt keine sicherere Welt als diese hier – im Gegenteil ist es das Empfinden der Gefahr dort, daß uns wiederbelebt: Das Gefühl, daß wir für einen Augenblick, der die Vergangenheit und Zukunft umschließt, wirklich etwas riskieren.

Vielleicht bist du irgendwann mal durch Zufall auf sie gestossen und warst begeistert davon, was du da gefunden hast. Die alte Welt war hinter dir und in dir zersplittert und keinE WissenschaftlerIn konnte sie je wieder zusammensetzen. Alles davor wurde unwichtig, irrelevant und lächerlich als die Horizonte sich plötzlich erweiterten und sich neue vorher unvorstellbare Wege öffneten. Und vielleicht hast du dir geschworen, daß du niemals wieder in die alte Welt zurückkehren würdest, daß du dein ganzes restliches Leben hier leben würdest, aufgeladen von der Lust am Abenteuer und der Veränderung. Aber natürlich bist du wieder dorthin zurückgekehrt.

Der gesunde Menschenverstand prügelt uns ein, daß diese Welt nur immer kurzfristig erlebt werden kann, daß es nur der kurze Moment der Veränderung ist und nichts weiter. Aber die Legenden, die wir uns an den Lagerfeuern erzählen, sprechen von ganz anderen Geschichten: Wir hören von Menschen, die sich für Wochen und Monate dort aufhielten, Menschen, die niemals von dort zurückgekehrt sind, die dort als HeldInnen lebten und starben. Wir wissen, daß diese geheime Welt nah ist und auf uns wartet. Wir fühlen es in dieser atavistischen Kammer unserer Herzen, die die Erinnerung an die Freiheit schon lange vor unserer Zeit in sich trägt. Du kannst es im Aufblitzen unserer Augen erkennen, in der Leidenschaft unserer Tänze und Liebschaften, in dem Protest und der Party, die außer Kontrolle geraten.

Du bist nicht der einzige, der versucht, sie zu finden. Wir sind auch hier draußen… einige von uns warten auch auf dich. Und du sollst wissen, daß alles, was du jemals getan oder überlegt hast zu tun, um dorthin zu gelangen, nicht verrückt, sondern wunderschön, würdevoll und notwendig war.

Revolution ist einfach die Vorstellung davon, daß wir diese Welt betreten können und nie wieder zurückkehren müssen. Oder besser gesagt: Daß wir die alte niederbrennen können um die Welt darunter zum Vorschein zu bringen.

 

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Nicht-monogame Beziehungen


Im Original von CrimethInc., vom Amerikanischen ins Deutsche übersetzt von Anticiv – antizivilisatorische textsammlung & distro.

So, du willst also eine nicht-monogame Beziehung haben…
…oder zwei! Nun, erwarte nicht, dass dir dieser Text viel dabei hilft – jede Beziehung ist anders und es gibt kein System, kein perfektes Prozedere, das dir garantiert, dass irgendeine ‹funktioniert›. Ausserdem – man könnte sagen, nicht-monogam zu sein, ist der Versuch, sich nicht mit einer Etikette abzugeben und nicht, Beziehungen nach irgendeinem Standard zum ‹Funktionieren› zu bringen: sie zu akzeptieren, wie sie sind und wie sie sich verändern. Nichtsdestotrotz kann man nicht abstreiten, dass gewisse Verhaltensweisen eher gesunde Dynamik hervorbringen und andere weniger; und da die meisten von uns nicht mit vielen guten Beispielen nicht-monogamer Beziehungen aufgewachsen sind, von denen sie lernen könnten, werden wir umso besser dafür ausgerüstet sein, dieses unbekannte Territorium gemeinsam aufzuzeichnen, je mehr wir darüber diskutieren und unsere Erfahrungen vergleichen. Konventionelle Pärchenprogrammierung abzuschütteln ist nichts anderes, als ein erster Schritt, gut für andere zu sein und ihnen zu helfen, gut für dich zu sein.

Zutaten
Mindestens drei Menschen

Anleitung
Ehrlich sein in einer unehrlichen Welt

Das erste, was es zu betonen gilt, ist, dass nicht-monogam zu sein kein Weg ist, die Notwendigkeit von Ehrlichkeit in einer Beziehung zu umgehen. Wenn überhaupt, ist es ein Weg, Ehrlichkeit noch zu fördern. Monogamie, nicht in individuellen Fällen, sondern als monolithische Erwartung einer zwanghaften Kultur, decouragiert Ehrlichkeit, indem sie jegliche Bedürfnisse bestraft, die aus dem traditionellen romantischen Modell fallen. Nicht-Monogamie soll einen Raum öffnen, indem Ehrlichkeit möglich ist, doch es ist auch abhängig von Ehrlichkeit, einen solchen Raum überhaupt zu ermöglichen. Es geht nicht darum, eine neue Regel zu erschaffen, die besagt, dass Liebende einander alles Detail für Detail mitteilen müssen; doch teilt mit, was auch immer ihr vereinbart, mitzuteilen und seid auch unmissverständlich was eure Bedürfnisse angeht, inklusive dem, was ihr braucht, um ehrlich sein zu können. Bei der ganzen Idee, seinen Beziehungen keine Muster aufzuzwingen, geht es darum, sein zu können, wer du bist, ohne Lügen, Schuld oder Heuchelei. Trotzdem behalten viele von uns, die innerhalb des monogamen Modells kämpfend aufgewachsen sind, all die schlechten Angewohnheiten bei, die wir davon gelernt haben: Unehrlichkeit, Scham, Abwendung, Angst. Selbst wenn wir in einer Beziehung sind, die Raum lässt, für unsere ‹gefährlichen Gelüste›, tendieren wir dazu, uns diesen Raum zu zerstören, indem wir ihm nicht vertrauen und so das Vertrauen verlieren, das ihn stützt. Treib dich selbst dazu an, ehrlich zu sein, immer – mit Ehrlichkeit kannst du alles haben, was du von dieser Welt haben willst oder wenigstens das, was dir die Welt tatsächlich zu bieten hat. Wenn du nicht ehrlich sein kannst, versuche daran zu arbeiten, bevor du tiefere Beziehungen mit anderen eingehst. Niemand sollte mit jemandem zusammen sein, bei dem man sich nicht darauf verlassen kann, dass er wichtige Wahrheiten mitteilt – besonders die beängstigenden.

Erwartungen aufstellen
Versucht am Anfang einer Beziehung oder einer Handlung, (wie beispielsweise das erste Mal Sex zu haben) die die Beziehung auf eine neue Ebene befördert, zu spüren, was eure individuellen Bedürfnisse und Erwartungen und Grenzen sind und versichert euch, dass ihr für ein gemeinsames Verständnis davon gesorgt habt, bevor ihr fortfahrt. Dies wird viel späteren Kopfschmerzen vorbeugen! Wenn eure Bedürfnisse sich verändern oder ihr euch in einer Situation anders fühlt, als erwartet, ist das kein Grund, sich schuldig zu fühlen – aber es wäre eine gute Idee, es eure Liebhaber_Innen wissen zu lassen. Tatsächlich wäre es wahrscheinlich am Besten, wenn ihr regelmässig unbekümmert mit euren Liebhaber_Innen auf Tuchfühlung gehen würdet, nur um sicherzugehen, dass sich ihre Gefühle nicht geändert haben, ohne, dass sie es anerkannt oder artikuliert haben.

Es ist wahrscheinlich genauso gewöhnlich für Liebende in einer nicht-monogamen Beziehung, sich unsicher dabei zu fühlen, sich nach Monogamie oder wenigstens nach manchen der Versicherungen, die sie anzubieten behauptet, zu sehnen, wie es für die anderen üblich ist, sich für ihr Verlangen nach anderen zu schämen. Es ist wichtig, dass wir es vermeiden, eine konkurrierende Kultur der Nicht-Monogamie zu entwickeln, in welcher sich Leute dafür schämen müssen, irgendetwas ‹bourgeoises› oder ‹traditionelles› zu wollen. Alles, jedes Bedürfnis und jeder Wunsch, sollte respektiert werden, ansonsten ist das überhaupt keine Revolution, sondern nur das Errichten einer anderen Norm. Wenn es für dich wichtig ist, dass du nicht-monogam bist, kann es gut sein, dass du im Angesicht dieser ausgrenzenden Gesellschaft eine beharrliche oder gar streitlustige Haltung dazu eingenommen hast; versichere dich, dass es nicht darin mündet, den Menschen um dich herum das Gefühl zu geben, sie müssten dir gegenüber gewisse Erwartungen erfüllen. Akzeptiere verständnisvoll, was auch immer dir andere über ihre Bedürfnisse erzählen – sie tun dir einen Gefallen, indem sie direkt zu dir sind. Vielleicht bedeuten die Unterschiede in euren Bedürfnissen, dass ihr auf gewisse Arten nicht miteinander in Beziehung treten könnt, zumindest zum gegebenen Zeitpunkt. Das ist immer noch besser, als einander unglücklich zu machen, dafür zu kämpfen, einander ändern zu können oder seine Bedürfnisse für einander zu verneinen. Die Bestimmungen, unter denen eure Beziehung startet, werden sehr wahrscheinlich für eine lange Zeit den Ton angeben. Liebende, die unter gemeinsamen nicht-monogamen Bestimmungen anfangen und erfolgreich Vertrauen ineinander aufbauen, werden wahrscheinlich wenig Probleme damit haben, eine gesunde nicht-monogame Beziehung aufrechtzuerhalten, so lange sie beide es wünschen.

Liebende, die in einer monogamen Beziehung anfangen und sich dann entscheiden, nach nicht-monogamen Bestimmungen zu leben, könnten jedenfalls bald mit Schwierigkeiten konfrontiert werden, weil ihre Erwartungen und Arten, sich sicher und geliebt zu fühlen, bereits mit der Frage nach der ‹Treue› des anderen verbunden sein könnten. Nun, wenn du eine Beziehung wirklich zerstören willst, beginne sie nach monogamen Bestimmungen (oder lasse das Thema einfach offen, sodass Vermutungen sich entwickeln können, ohne mit der Realität abgeglichen zu werden), schlafe dann mit jemand anderem und erzähle deinem Partner im Nachhinein, dass du nicht-monogam leben möchtest; für maximale Zerstörung, enthülle deinem Partner nicht, dass du mit jemand anderem geschlafen hast oder schläfst – lass es deinen Partner als Überraschung herausfinden. Dies ist offensichtlich nicht der richtige Weg, eine gesunde Liebesbeziehung zu führen.

Du kannst ein erstes Date dadurch aufpeppen, dass du dafür sorgst, am Ende der Nacht Ärger mit der Staatsgewalt für etwas fürchterlich peinliches zu kriegen; du erzählst deinem Date natürlich nichts von deinem Plan.

Mit Eifersucht umgehen
Gebt euren Liebhaber_Innen niemals Anlass, sich durch den Platz eines anderen in euren Leben oder Herzen bedroht zu fühlen. In dieser Gesellschaft wird uns ständig das Gefühl gegeben, in Konkurrenz zu einander zu stehen, deswegen fühlen wir uns durch andere bedroht. Gesunde Nicht-Monogamie sollte diese Konditionierung widerlegen, nicht bestärken. Macht deutlich, in Taten, wie auch in Worten, dass eure Beziehungen mit allen Menschen (liebend oder nicht!) nur von sich selbst abhängen und nicht davon, wie sie mit anderen Beziehungen vergleichbar sind. Hoffentlich wandert ihr nicht auf der Suche nach der perfekten Ehefrau oder dem perfekten Ehemann oder einer Trophäe eines_r Liebhabers_In herum und reisst Menschen auf und lasst sie fallen, während ihr die ultimative Ware auf dem Partnermarkt jagt; stattdessen kultiviert ihr lebenslange, anpassungsfähige Beziehungen mit Individuen, die ihr liebt und mit Respekt behandelt, in denen ihr euch einvernehmlich miteinander vergnügt und einander vielleicht sogar bei Lebensprojekten unterstützt. (1)  Liebende in einem solchen Szenario sollten nicht mehr Grund haben, sich zu fürchten oder eifersüchtig aufeinander zu sein, als Freunde – tatsächlich ist ein guter Grund, nicht-monogam zu sein, die Qualitäten, die Freundschaften funktionieren lassen, in einer Liebesbeziehung zu pflegen oder, noch besser, die Trennlinien zwischen beiden zu verwischen.

Dennoch wird es, da ihr in dieser Gesellschaft aufgewachsen seid, Situationen geben, in denen einer oder beide eifersüchtig sein werden. Es gibt viele Dinge, die ihr tun könnt, um damit umzugehen, wenn ihr es selbst spürt. Zunächst, versucht eure verschiedenen Gefühle auseinander zu bringen und zu identifizieren, damit ihr wisst, worauf ihr reagiert und wonach ihr agiert. Der vorherrschende Grund für Eifersucht ist Unsicherheit: um in irgendeiner erfolgreichen Beziehung zu sein, nicht-monogam oder nicht, müsst ihr geerdet sein, euch selbst gut fühlen und einen Sinn für euren eigenen Wert und eure Attraktivität haben. In diesem Sinne ist ein Leben zu führen, dass euch hilft, euch selbst zu respektieren, eine Voraussetzung für jegliche Intimität mit anderen. Gleichzeitig solltet ihr in der Lage sein, eure Liebhaber_Innen um Bestätigung zu bitten, wann immer ihr sie braucht – seid nicht schüchtern: wenn eure Liebhaber_Innen euch lieben, werden sie es euch wissen lassen wollen und es ist viel besser, es auszusprechen, wenn ihr es braucht, als sich zurückzuhalten, ‹Druck› auf den anderen auszuüben, nur, um später zu explodieren oder zu implodieren. Um auf das Thema des Selbstbewusstseins zurückzukommen, euch selbst zu lieben wird es viel einfacher machen, die Bestätigungen anderer zu glauben.

Unsicherheit kann sich in Projektion manifestieren: es mag einfach sein, sich vorzustellen, dass die anderen Liebhaber_Innen eurer Liebhaber_Innen oder ein Schwarm oder ein potentieller Schwarm absolut perfekt seien. Versucht, ein wenig Perspektive zu gewinnen; es kann gut sein, dass ihr mehr Zeit darauf verwendet, über die anderen Liebhaber_Innen nachzudenken, als eure Liebhaber_innen selbst. Es ist sowieso niemand perfekt, nicht einmal die Andere; und dadurch, dass ihr in einer nicht-monogamen Beziehung seid, habt ihr weniger zu befürchten, als wenn ihr ein monogames Pärchen wärt: eure Liebhaber_Innen können mit anderen experimentieren und es geniessen, mit ihnen zusammenzusein, ohne das Gefühl, euch verlassen zu müssen. Ausserhalb des Pärchen-Paradigmas kann niemand Liebhaber_Innen von euch stehlen – das Ausmass, in dem ihr gut für einen Menschen seid, bestimmt, wie viel Zeit dieser mit euch verbringt. Wenn ihr eine langjährige oder starke Liebe habt, kann keine Affäre und kein Flirt sie bedrohen.

Unsicherheit kann auch nicht das einzige sein, das ihr fühlt. Es kann auch sein, dass ihr eure Liebhaber_Innen verurteilt – so könnt ihr enttäuscht von ihnen sein, dass sie sich zu anderen hingezogen fühlen, die ihr als unwürdig erachtet oder ihr könnt euch aus ähnlichen Gründen beschützerisch fühlen. So oder so müsst ihr euren Liebhaber_Innen vertrauen, zu wissen, was gut für sie ist – es gibt keinen Weg darum herum. Eure Partner_Innen können wahrscheinlich viel besser spüren, was sie brauchen als ihr und es ist sowieso nicht eure Entscheidung.

Eifersucht kann auch aus Konkurrenzgefühlen gegenüber anderen Liebhaber_Innen hervorgehen, besonders Mitgliedern des eigenen Geschlechts gegenüber – diese Gefühle werden in unserer Gesellschaft aufrechterhalten und dienen meist dazu, uns von potentiellen Mitstreitern zu isolieren. Wieder vertraut ihr hoffentlich darauf, dass wer immer das Vertrauen eurer Liebhaber_Innen gewonnen hat, Respekt verdient; erinnert euch daran, dass was auch immer gut für eure Liebhaber_Innen ist, auch, in irgendeiner Art zumindest, gut für euch ist. Fähig zu sein, die Liebhaber_Innen eurer Liebhaber_Innen als Freunde oder zumindest Verbündete zu sehen, kann revolutionär sein in einer Gesellschaft, die uns mit Romantik gegeneinander ausspielen möchte.

Es kann auch sein, dass eure Eifersucht durch Instabilitäten oder Inkongruenzen in der Beziehung selbst verursacht wird, was ausgesprochen werden sollte. Eifersucht ist nicht immer bloss irrationales, destruktives Empfinden; häufig kann sie ein nützliches Barometer sein, um zu kalibrieren, was zwischen und unter Menschen vorgeht.

Wenn ihr euch eifersüchtig oder unsicher fühlt, könnte es hilfreich sein, sich daran zu erinnern, dass der Grad an Freiheit, den eure Liebhaber_Innen geniessen, auch auf euch übergreift. Wenn ihr nicht eingeengt werden wollt, seid froh, dass ihr beiden euch nicht einengt. Wenn ihr Beziehung mit anderen ausser euren Liebhaber_Innen gehabt habt oder ihr euch von jemandem angezogen gefühlt habt, zieht diese Erfahrungen in Erwägung, um Perspektive zu gewinnen, wie sich eure Liebhaber_Innen fühlen; wenn diese Spielereien die Wichtigkeit eurer Liebhaber_Innen für euch nicht gemindert haben, werden sie dieses Mal wahrscheinlich auch nicht zwischen euch kommen.

Wenn eure Liebhaber_Innen eifersüchtig sind, versucht, euch nicht beschuldigt oder angegriffen zu fühlen. Versucht nicht ins Standardmuster aus Anschuldigungen, Angriffen, Verteidigungen, Verdächtigungen, Schuldzuweisungen und Selbstbeschuldigungen zu verfallen. Macht einen Schritt zurück und versichert euch, dass es klar ist, wie wichtig euch eure Liebhaber_Innen sind; betont, dass keine andere Affinität oder Beziehung die eurige bedrohen kann. (Sagt das andererseits natürlich niemals, wenn es nicht stimmt!) Wenn die Bestimmungen eurer Beziehung oder die gegenseitigen Erwartungen neu verhandelt werden müssen, schiebt es nicht auf oder redet um den heissen Brei herum.

Hier ein weiteres Worst-case-Szenario: ihr seid in einer Beziehung mit zwei Menschen und sie entwickeln eine intensive Abneigung gegeneinander. Das kann sehr unangenehm für alle sein. Es gibt dennoch einige Dinge, die ihr tun könnt, um die Sache so reibungslos wie möglich hinzukriegen. Seid nicht parteiisch – weigert euch, Richter zu spielen, während der eine euch vom Fehlverhalten des anderen überzeugen möchte. Ihr könnt eure Meinung darüber, wie sie sich verhalten, natürlich behalten, doch betont, dass ihr nicht daran interessiert seid, zur Parteinahme überzeugt zu werden. Bringt gegenüber beiden zum Ausdruck, dass sie euch beide wichtig sind – macht deutlich, dass es keine Entscheidung für einen geben wird und dass, sollte es dazu kommen, dass eine Beziehung beendet wird, nur interne, nicht externe Faktoren dafür verantwortlich sind. Ermutigt die beiden, die Sache zu klären, wie Erwachsene, falls möglich. Befördert keine Nachrichten zwischen den beiden. Fällt definitiv keine Entscheidungen, um einen von beiden zu beschwichtigen, auch nicht unbewusst – dies wird nur dazu führen, dass du sie vergraulst und dich selbst enttäuscht, auf kurz oder lang.

Sich Hierarchien widersetzen
Vielleicht habt ihr vom «Primary Partner»-Modell gehört, einem der meistdiskutierten Schemata der Nicht-Monogamie. Manche finden, dass solche Schemata Hierarchien oder Verhaltensvorschriften suggerieren: sie finden, dass jeder Mensch sein eigener Primary und bestrebt sein sollte, sich allen Partnern, mit denen er sein Leben teilt, gleichermassen hinzugeben, welche Rollen auch immer sie spielen. Tatsächlich riskieren wir einiges, wenn wir diese Rollen nicht flexibel genug auslegen, um sich den Veränderungen, die Beziehungen, Bedürfnisse und Erwartungen immer durchlaufen, anzupassen. Es ist wichtig, dass Menschen in einer Beziehung wissen, was sie voneinander erwarten können, doch formale Titel sollten dafür nicht nötig sein.

Wo wir gerade von Hierarchien unter Partnern sprechen – zusätzlich zu atavistischer Unehrlichkeit und Scham, könnte ein weiteres Verhaltensüberbleibsel, das ihr aus dem Monogamieghetto fortgetragen habt, die Tendenz sein, Liebhaber_Innen neben eurem Primary mit weniger Respekt oder Sensibilität zu behandeln. Dies ist etwas, das Menschen, die betrügen, insbesondere Männer, tun, wenn sie in monogamen Beziehungen betrügen: angetrieben von Schuld, misshandeln sie ihre Ehebrecher-Kameraden, als wollten sie zeigen, dass sie ihren Partner höher schätzen als andere, auch wenn sie ihn betrügen. Nicht-Monogamie sollte heissen, dass jeder in jeder Beziehung respektvoll behandelt wird: jede Pflanze und jedes Tier eines Ökosystems ist gleich wichtig, unabhängig von der kleinen oder grossen Rolle, die sie vielleicht spielen.

Die Dinge in den Griff bekommen
Niemand sollte andere in ein Beziehungsmodell zwingen, in dem sie sich unwohl fühlen. Dies kann nur beide Parteien unglücklich machen. Andererseits zwingt ihr niemanden zu irgendetwas, wenn ihr eure eigenen Entscheidungen darüber trefft, was richtig für euch ist. Ihr macht eure Entscheidungen und lasst andere die ihren machen; wo es Gemeinsamkeiten gibt, könnt ihr euch treffen. Idealerweise sollte jedes Paar die selbe Idee davon haben, wie ihre Beziehung aussehen sollte; realistischerweise müssen Menschen Kompromisse eingehen – versucht einfach, sicherzugehen, dass sie für beide Seiten von Vorteil sind. Noch einmal, es gibt kein perfektes Modell: jedes Paar, Dreieck und jede Gemeinschaft muss selbst in den Griff bekommen, wie miteinander auskommen und wie glücklich sein miteinander. Was für die einen funktioniert, mag für die anderen nicht funktionieren – vielleicht sieht es für andere nicht einmal gesund oder vernünftig aus, aber so ist es nun einmal.

«Ich habe eine letzte Frage. Wenn ich mehr als eineN Liebhaber_In auf ein Mal habe, werde ich sie am Ende nicht noch im Bett verwechseln und mit allen Streit anfangen?»

Meine tatsächliche Erfahrung ist das Gegenteil: wenn du dich daran gewöhnst, sexuell mit mehr als einer Person aktiv zu sein, hört der Name dieses Menschen auf, ein Geräusch zu sein, das du aus Gewohnheit machst, wann immer du erregt bist, und bezieht sich mehr auf das tatsächliche Individuum. Wenn du nicht-monogam bist, wirst du vielleicht entdecken, dass du, wenn du mit jemandem im Bett bist, mit dieser Person als Individuum präsent bist, statt mit einer Rolle in deinem Leben, mehr als du es mit Freund oder Freundin wärst. Wenn sich herausstellt, dass dies bei dir nicht der Fall ist, gibt es keinen Grund, warum du mit mehr als einer Person auf ein Mal ins Bett gehen solltest, um nicht-monogam zu sein – oder eigentlich mit überhaupt jemandem. Nicht-monogam und abstinent, das ist auch eine legitime Option mit einem Haufen Vorteilen.

Fußnote:
1.) Dies ist nicht ein Versuch, denjenigen Vorschriften zu machen, die anonyme, promiskuitöse Begegnungen in Toiletten und Raststätten bevorzugen – macht, was ihr wollt, solange ihr aufeinander aufpasst!

 

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